Trinkgeld: Geldverschwendung oder Servicequalitätsbooster?
Trinkgeld: Geldverschwendung oder Servicequalitätsbooster?
Gibst du Trinkgeld?
Vor Kurzem war ich im Urlaub in Namibia und fragte mich: «Wie viel Trinkgeld gebe ich für welche Dienstleistung?»
Ist es zu wenig, wirkt es als würden wir den Service nicht wertschätzen – ist es zu viel, könnte es als unhöflich oder arrogant gelten.
Und wie kommt es eigentlich, dass wir Trinkgeld im Nachhinein geben? Wäre es nicht sinnvoller dies schon vorab zu tun, um den bestmöglichen Service zu erhalten?
Was das mit Führung zu tun hat?
Wenn du in einer Führungsposition bist oder sein möchtest, kannst du den Gedankensprung machen: «Wie kann ich mein Team motivieren, bevor es ‹liefert›? Wie gebe ich ihm einen Vertrauensvorschuss, damit es sich frei und selbstbewusst entfalten kann?»
Diesen Gedanken vertiefe ich in meinem Artikel und lade dich ein, deine Meinung zu teilen.
Gibst du Trinkgeld? Im Lokal, Hotel oder an der Tankstelle – und wenn ja, wie viel? Das Thema wird immer wieder heiss diskutiert. Videos auf Social Media zeigen, wie «Superreiche» in Hotspots wie Monaco oder Saint Tropez das Servicepersonal mit Trinkgeld nur so überhäufen. Doch wie ist es mit der Familie, die ein Jahr auf einen Urlaub gespart hat? Ist es verwerflich, wenn diese kein oder nur sehr wenig Trinkgeld gibt?
Vor Kurzem verbrachte ich einen wunderschönen Urlaub in Namibia. Immer wieder fragte ich mich: «Wie viel Trinkgeld gebe ich für welche Dienstleistung?» Du kannst Menschen fragen, die das Land schon bereist haben, Bücher wälzen oder im Internet stöbern – und trotzdem bleibt dieses letzte bisschen Unsicherheit. Nämlich dann, wenn die Dienstleistung erbracht ist und die Augen deines Gegenübers dir erwartungsvoll entgegenblicken. Genau in diesem Moment denkst du: «Jetzt bloss nichts falsch machen! Ist mein Trinkgeld wohl angemessen?»
In der Schweiz, wo ich lebe, gilt der Grundsatz, dass das Trinkgeld bereits im Preis inbegriffen ist. In vielen anderen Ländern, vor allem den USA, fliessen hingegen 10 bis 20 Prozent ganz selbstverständlich in die Rechnung. Und in noch anderen Regionen fragst du dich, was ein – für dich – kleiner Betrag für dein Gegenüber bedeuten kann. In diesem Artikel geht es aber um mehr als reine Prozente: Es geht um die Haltung, das Vertrauen und – wie ich es nenne – den «Boost-Effekt», den ein Trinkgeld schon im Voraus erzeugen kann.
Trinkgeld in der Schweiz: Zwischen Inklusivpreisen und Unsicherheit
In der Schweiz kennst du bestimmt den Hinweis: «Das Trinkgeld ist bereits im Preis enthalten.» Dennoch ist es normal, ein bisschen aufzurunden. Aber wie viel ist passend? Und muss es überhaupt sein? Hier kommt oft ein unangenehmes Gefühl auf. Denn bei uns ist die Praxis eher: Wer ein bisschen mehr geben möchte, macht das aus eigenem Antrieb. Da fragst du dich vielleicht: «Bin ich jetzt zu geizig oder doch zu grosszügig?»
USA und Co.: Jede Leistung erfordert ein Trinkgeld?
In den Vereinigten Staaten oder auch Kanada macht man häufig die Erfahrung, dass Trinkgeld fest im Gehalt eingeplant ist. Selbstbestimmte 10, 15 oder 20 Prozent sind dort quasi Standard. Ja, manchmal kannst du das Gefühl haben, dass selbst der Kaffee zum Mitnehmen noch ein sattes Trinkgeld erfordert. Doch gleichzeitig weisst du, dass viele Servicekräfte einen geringen Festlohn bekommen. Für sie ist dieses Geld fest eingeplant und kein blosser Bonus.
Asien: Gilt Trinkgeld als unhöflich?
In einigen Ländern wird das Geben von Trinkgeld als unhöflich oder unangemessen empfunden, da es nicht zur lokalen Kultur passt. In Japan gilt Trinkgeld oft sogar als Beleidigung, da guter Service als selbstverständlich angesehen wird. Es wird erwartet, dass Dienstleistungen ohne zusätzliche Entlohnung erbracht werden. Auch in China ist Trinkgeld unüblich und kann als unhöflich wahrgenommen werden. In manchen Fällen ist es dem Personal sogar verboten, Trinkgeld anzunehmen, besonders in Restaurants oder an Flughäfen. In Südkorea ist Trinkgeld nicht Teil der Kultur und könnte das Servicepersonal beschämen. Es gibt nur wenige Ausnahmen, wie in gehobenen Hotels oder Restaurants.
Namibia, Afrika oder andere Regionen: Wie viel ist «angemessen»?
Wenn du wie ich in Namibia warst (oder in einem ähnlichen Land), merkst du schnell: Auch hier sind Trinkgelder üblich. Und oft sind die Erwartungen oder der Bedarf besonders hoch. Manchmal sind schon fünf Euro oder Franken mehr, als ein lokaler Helfer täglich verdient. Während du vielleicht kaum über diese Summe nachdenkst, macht sie für das Gegenüber einen Unterschied. Trotzdem willst du nicht überheblich erscheinen, sondern ein authentisches Zeichen deiner Wertschätzung setzen.
TIP = «To Improve Performance»: Geste vor der Leistung
Ein alter Artikel regte mich zum Nachdenken an. Darin wurde beschrieben, dass «TIP» scherzhaft für «To Improve Performance» stünde. Das heisst, man gibt den Obolus nicht erst nach erbrachter Leistung, sondern zu Beginn – quasi als Vorschuss für das Vertrauen, das man der Person schenkt. Übertragen auf das echte Leben kann das heissen: Du gehst viel souveräner in die Situation und nimmst dem Ganzen ein Stück Unsicherheit. Dein Gegenüber spürt, dass es dir wirklich wichtig ist, ihm Anerkennung zu zeigen, und fühlt sich möglicherweise noch stärker motiviert.
Parallelen zur Führung: Wertschätzung im Voraus geben
Wenn du in einer Führungsposition bist oder sein möchtest, kannst du diesen Gedankensprung machen: «Wie kann ich mein Team motivieren, bevor es ‹liefert›? Wie gebe ich ihm einen Vertrauensvorschuss, damit es sich frei und selbstbewusst entfalten kann?»
In der Praxis: Gib deinen Mitarbeitenden verantwortungsvolle Aufgaben, ohne ewig zu warten, bis sie «reif» dafür sind. Lade sie in Meetings ein, an denen sie eigentlich (noch) nicht teilnehmen müssten. Zeige ihnen, dass du überzeugt bist: «Ihr schafft das.»
Gedankenhaltung: Verteile nicht nur nachträgliche Belohnungen (Wenn du Projekt X gut machst, dann gibt’s Y), sondern zeige deinen Leuten, dass du sie jetzt schon schätzt und an sie glaubst.
Praktische Beispiele
Vorab-Wort: Sag einem neu eingestellten Mitarbeiter von Anfang an: «Ich vertraue dir. Ich weiss, du bist ein Gewinn für unser Team. Wenn du etwas brauchst, ich bin für dich da.» Dieses Statement wirkt wie ein vorgezogenes Dankeschön, bevor der- oder diejenige überhaupt das volle Können zeigen konnte.
Budget & Events: Stelle deinem Team gleich ein gewisses Budget für Weiterbildung oder Teambuilding zur Verfügung, anstatt nach dem ersten Erfolg mit der Sprache rauszurücken. Damit signalisierst du, dass du die gemeinsame Entwicklung wertschätzt.
Teste selbst, wie ein «Vorab-Trinkgeld» wirkt.
Während deiner nächsten Reise, ob in Namibia oder anderswo, kannst du ausprobieren, wie es ist, etwas früher ein Trinkgeld zu geben – oder einfach von Anfang an eine freundliche, vertrauensvolle Haltung zu zeigen. Schaue deinem Gegenüber offen in die Augen und überlege, wie viel Wertschätzung du signalisieren möchtest. Manchmal reicht schon ein kleines Plus an Menschlichkeit, um jemandem den Tag zu verschönern.
Als (angehende) Führungskraft lässt sich dieser Gedanke wunderbar übertragen: Erlaube dir, positives Feedback und Ressourcen «im Voraus» zu geben, statt immer auf einen späteren Zeitpunkt zu vertrösten. Schaffe ein Klima, in dem deine Mitarbeitenden von Anfang an das Gefühl haben, wirklich gesehen zu werden. Das motiviert und stärkt das Band zwischen dir und deinem Team enorm.
Wenn du mehr darüber erfahren willst, wie du als Leader mit gezielter Anerkennung und effizienter Kommunikation dein Team zu Höchstleistungen bringst, dann nimm gerne Kontakt mit mir auf. In meinen Büchern, Coachings und Seminaren lernst du Strategien und Tools, um langfristig Erfolge zu erzielen – ganz ohne ständiges Kontrollieren, dafür mit vertrauensvollem «Trinkgeld» an dein Umfeld.
Nutze jetzt die Chance: Gib anderen Menschen – ob im Restaurant, auf Reisen oder in deinem Team – frühzeitig Anerkennung. Du wirst spüren, wie sich eine entspannte, produktive und motivierende Stimmung breitmacht, in der jede*r sich mit Freude engagiert. Ich freue mich darauf, dich auf deinem Weg zu unterstützen!



