So nutzt du die «Macht der Gewohnheit» als effektiven Weg für besseres Führungsverhalten
Nutzt du die Macht der Gewohnheit?
Unsere Gewohnheiten beeinflussen einen Grossteil unseres Lebens.
Unser Arbeitsverhalten, unsere Kommunikation, unseren Umgang mit Menschen sowie unsere Ernährung, Einkäufe, Nutzung von Technologie und sportliche Aktivitäten …
Anstatt ständig neue Entscheidungen zu treffen, neigen wir dazu, Verhaltensweisen zu wiederholen und werden somit zu «Gewohnheitstieren», die ihre Routinen oft gedankenlos und unbewusst entwickeln.
Ein Experiment des ungarischen Psychologen László Polgár zeigt, wie sich Gewohnheiten, die bereits im Kindesalter etabliert werden, auswirken. Dazu zog er seine drei Töchter in einem schachzentrierten Umfeld auf.
Polgár schuf einen Kontext, in dem alles permanent auf die Gewohnheiten hinauslief: Schach spielen, Schach lernen, über Schach nachdenken, Schach «leben». Wie sich das wohl auswirkte? 🤔
Nun ist es oft alles andere als leicht, mit zunehmendem Alter eine neue Gewohnheit zu etablieren. Die einfachste Art ist, sich seine alten Gewohnheiten zunutze zu machen: Identifiziere eine aktuelle tägliche Gewohnheit und kopple dein neues Verhalten einfach daran an.
Wie genau das funktioniert, zeige ich dir in der aktuellen Ausgabe meines Newsletters.
Nutzt du die Macht der Gewohnheit bereits in deinem (Führungs)Alltag?
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Die Macht der Gewohnheit ist in der Wissenschaft unbestritten und durchdringt alle Lebensbereiche. Psychologische Studien zeigen, dass unser tägliches Verhalten grösstenteils von unbewussten Gewohnheiten bestimmt wird. Diese Gewohnheiten beeinflussen unser Arbeitsverhalten, unsere Kommunikation, unseren Umgang mit Menschen sowie unsere Ernährung, Einkäufe, Nutzung von Technologie und sportliche Aktivitäten. Anstatt ständig neue Entscheidungen zu treffen, neigen wir dazu, Verhaltensweisen zu wiederholen – selbst wenn sich die Rahmenbedingungen ändern. Wir sind «Gewohnheitstiere», die ihre Routinen oft gedankenlos und unbewusst entwickeln.
Mit Gewohnheiten zur Meisterschaft
Ein Beispiel für die Macht der Gewohnheit liefert das Experiment des ungarischen Psychologen László Polgár. Polgár war überzeugt davon, dass jedes gesunde Kind durch das richtige Umfeld zur Meisterschaft in einem beliebigen Bereich geführt werden kann. Nach dem Studium der Biografien erfolgreicher Menschen kam er zu dem Schluss: «Talent ist vernachlässigbar. Erfolg ist zu 99 Prozent harte Arbeit.» Um seine Theorie zu testen, suchte er eine Partnerin für dieses ambitionierte Projekt und fand sie in Klara.
Das Ehepaar bekam drei Töchter – Zsuzsa, Zsófia und Judit – und entschied sich dafür, sie im Schachspiel zur Meisterschaft zu führen. Die Kinder gingen nicht zur Schule; stattdessen wurden sie von den Eltern unterrichtet, wobei Schach das Hauptfach war. Die gesamte Wohnung war auf Schach ausgerichtet: Bücherregale voller Schachliteratur, Wände mit Schachzeichnungen und überall Schachbretter. Das Leben der Familie drehte sich rund um die Uhr um Schach.
Die Ergebnisse waren beeindruckend: Zsuzsa qualifizierte sich als erste Frau für die Weltmeisterschaft der Männer im Schach. Zsófia wurde Weltranglistensechste bei den Frauen, entschied sich später aber für ein Designstudium. Judit übertraf alle Erwartungen und wurde die beste Schachspielerin der Geschichte.
Auch in Bezug auf Gewohnheiten ist das Experiment wegweisend. Die Polgár-Schwestern belegen: Wir können über die konsequente Gestaltung einer Umgebung Gewohnheiten in jede Richtung formen und es zur Meisterschaft bringen. Polgár schuf einen Kontext, in dem alles permanent auf die Gewohnheiten hinauslief: Schach spielen, Schach lernen, über Schach nachdenken, Schach «leben». Das Beispiel zeigt, dass das Umfeld zwar eine Rolle spielt, doch wir selbst über unsere Gewohnheiten und unseren Erfolg entscheiden: Die zweitgeborene Zsófia entschied sich dafür, die vermittelten Gewohnheiten nicht weiter zu pflegen.
Phänomen synaptisches Beschneiden
Ein weiteres interessantes Phänomen in diesem Zusammenhang ist das synaptische Beschneiden oder die Synapseneliminierung. Mit zunehmendem Alter reduziert das Gehirn die Anzahl der Synapsen – also Verbindungen zwischen Nervenzellen –, die nicht genutzt werden. Stattdessen werden häufig genutzte Verbindungen verstärkt. Dies verdeutlicht einmal mehr: Unsere täglichen Handlungen und Entscheidungen prägen unser Gehirn nachhaltig.
Wenn du zum Beispiel – wie die Schwestern aus dem Experiment – 10 Jahre lang täglich Schach spielst, dann wird dein Gehirn die Verbindungen zwischen diesen Neuronen verstärken. Je mehr du spielst, desto stärker werden die Verbindungen. Und nicht nur das: Die Verbindungen werden mit jeder Übungsstunde schneller und effizienter. Das führt im Endeffekt dazu, dass du immer besser wirst und es dir leichter fällt, deine Fähigkeiten auszudrücken.
Das gilt nicht nur für Schach, sondern für alle Lebensbereiche und lässt sich besonders gut an den «Profis» beobachten. Vielleicht hast du dich auch schon gefragt, wie Keith Richards, Gitarrist bei den Rolling Stones, mit seinen 80 Jahren und Arthrose in den Händen nach wie vor so gut Gitarre spielen kann? Die einfache Erklärung: Er tut dies regelmässig seit mehr als 60 Jahren. Im Umkehrschluss bedeutet dies, dass jemand, der noch nie Gitarre gespielt hat, nicht über die entsprechenden Verbindungen im Gehirn verfügt. Dieses beschneidet infolgedessen diese ungenutzten Synapsen und verteilt seine Energie auf den Aufbau von Verbindungen für andere Fertigkeiten.
Synaptische Beschneidung und der Aufbau neuer Gewohnheiten
Jede Gewohnheit, die du aufbaust, stärkt das neuronale Netzwerk deines Gehirns. Dadurch wird dein gegenwärtiges Verhalten durch stetige Wiederholung – ähnlich wie beim Gitarre spielen – mit jedem Mal stärker und effizienter. Du hast wahrscheinlich sehr starke Gewohnheiten und Verbindungen, die du jeden Tag als selbstverständlich hinnimmst. Dein Gehirn erinnert sich jeden Morgen daran zu duschen, sich nach dem Aufstehen eine Tasse Kaffee zu kochen oder die Vorhänge zu öffnen, wenn die Sonne aufgeht. Der springende Punkt dabei ist, dass du dir diese starken Verbindungen zunutze machen kannst, um sehr effizient neue Gewohnheiten zu etablieren.
Aus Alt mach Neu
Die einfachste Art, neue Gewohnheiten zu erlernen, ist, sich seine alten Gewohnheiten zunutze zu machen. Identifiziere eine aktuelle tägliche Gewohnheit und kopple dein neues Verhalten einfach daran an. Die neue Gewohnheit wird somit nicht mit einer bestimmten Zeit oder einem Ort in Verbindung gebracht, sondern mit einer bereits etablierten Routine.
Diese Methode wurde von BJ Fogg als Teil seines Programms »Tiny Habits« entwickelt und kann verwendet werden, um für fast jede Gewohnheit einen offensichtlichen Auslöser zu kreieren.
Die Formel zur Kopplung von Gewohnheiten lautet:
Nach/vor [BESTEHENDE GEWOHNHEIT], werde ich [NEUE GEWOHNHEIT] tun.
Beispiele:
- Nachdem ich nach dem Aufstehen 5 Minuten Dehnungsübungen gemacht habe, mache ich 50 Liegestützen.
- Nachdem ich meine Arbeitsschuhe ausgezogen habe, ziehe ich meine Jogging-Kleidung an.
- Nach meinem letzten Arbeitstermin plane ich den kommenden Arbeitstag.
Der Grund dafür, dass das Aneinanderhängen von Gewohnheiten so gut funktioniert, ist simpel: Deine derzeitigen Gewohnheiten sind bereits fest in deinem Gehirn eingebaut. Du hast Muster und Verhaltensweisen entwickelt, die sich über Jahre hinweg verstärkt haben. Indem du deine neuen Gewohnheiten mit einem Zyklus verknüpfst, der bereits in deinem Gehirn eingebaut ist, erhöhst du die Wahrscheinlichkeit, an dem neuen Verhalten festzuhalten.
Aneinanderkoppeln von Gewohnheiten
Meine persönliche Morgenroutine besteht aus mehreren verknüpften Gewohnheiten:
- Nachdem ich jeden Morgen nach dem Aufstehen 10 Minuten Qigong (Dehnungs- und Atemübungen) gemacht habe, mache ich 50 Liegestützen.
- Nachdem ich meine 50 Liegestützen gemacht habe, mache ich 100 Sit-ups.
- Nachdem ich 100 Sit-ups gemacht habe, dusche ich und rasiere mich.
- Nach der Dusche bereite ich mir einen Kaffee zu.
- Nach dem Zubereiten des Kaffees lese ich für 30 Minuten einen inspirierenden Text.
Insgesamt ermöglicht dir das Aneinanderreihen von Gewohnheiten, einfache Regeln aufzustellen, mit denen du dein künftiges Verhalten steuern kannst. Sobald du mit diesem Ansatz vertraut bist, lassen sich Gewohnheitsketten für verschiedenste Situationen kreieren:
- Wenn ich eine Treppe sehe, werde ich sie nehmen, anstatt den Aufzug zu benutzen.
- Wenn ich zu einem Event gehe, werde ich mich jedem vorstellen, den ich noch nicht kenne.
- Wenn ich etwas für mehr als 200 Franken kaufen möchte, werde ich 24 Stunden warten, bevor ich es effektiv kaufe.
- Wenn ich etwas Neues kaufe, werde ich etwas Altes verschenken.
Ganz gleich, wie du diese Strategie anwenden möchtest: Das Geheimnis des erfolgreichen Aneinanderkoppelns von Gewohnheiten liegt in der Wahl des richtigen Impulses, um die Dinge in Gang zu bringen.
Den richtigen Auslöser finden
Deine vorhandene Gewohnheit sollte ebenfalls in der gleichen Häufigkeit auftreten wie deine gewünschte neue Gewohnheit. Wenn du jeden Tag eine neue Routine ausüben willst, sie aber mit einer bestehenden Routine verkoppelst, die nur montags stattfindet, ist das keine gute Wahl.
Eine Möglichkeit, um effizient neue Routinen anzukoppeln, ist, sich eine Liste aller bereits vorhandenen Routinen zu erstellen und auszuloten, wo sich eine neue am besten «ankoppeln» lässt.
Das Aneinanderkoppeln von Routinen funktioniert am besten, wenn der auslösende Impuls sehr spezifisch und sofort umsetzbar ist. Definiere ganz klar, welches Ziel du hast – vage Formulierungen wie «mehr lesen» oder «gesünder ernähren» sind zwar lohnende Absichten, aber nicht konkret umsetzbar. Sie geben dir keine klare Anleitung, welche Schritte du gehen sollst.
Sei konkret und klar: Nachdem ich mir die Zähne geputzt habe, nehme ich mir 15 Minuten Zeit, um in einem Fachbuch zu lesen.
Der Grad an Konkretisierung ist entscheidend. Je enger deine neue Routine an einen bestimmten Auslöser gebunden ist, desto besser sind die Chancen, dass du merkst, wenn die Zeit zum Handeln gekommen ist.
Leadership durch gezielte Habit-Kopplung stärken
Als Führungskraft kannst du diese Prinzipien nutzen, um sowohl deine eigenen Fähigkeiten als auch jene deines Teams kontinuierlich weiterzuentwickeln. Indem du gezielt positive Führungsgewohnheiten entwickelst – wie regelmässiges Feedback geben oder tägliche Reflexionszeiten einplanen – stärkst du nicht nur dein eigenes neuronales Netzwerk, sondern auch das deiner Teammitglieder durch Vorbildwirkung.
Beispiele für Führungskräfte:
- Nach jedem Meeting gebe ich mindestens einem Teammitglied konstruktives Feedback.
- Vor Beginn eines neuen Projekts setze ich mich für eine kurze Reflexion hin, um vergangene Projekte Revue passieren zu lassen.
- Nach dem Lesen des Buches «Die Heldenreise einer Führungskraft – wie du als Leader*in die beste Version deiner selbst wirst» teile ich meine Erkenntnisse mit meinem Team während unseres täglichen Stand-up-Meetings.
Durch das bewusste Aneinanderkoppeln solcher Führungsgewohnheiten schaffst du ein Umfeld, in dem kontinuierliches Lernen gefördert wird und positive Veränderungen nachhaltig verankert werden.
Wenn auch du deine (Führungs)gewohnheiten in eine positivere und effektivere Richtung lenken willst, schreib mir!



