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Selbstüberschätzung und ihre Konsequenzen – bist du kompetent oder tust du nur so?

Selbstüberschätzung und ihre Konsequenzen – bist du kompetent oder tust du nur so?

Wie schätzt du deine Leistung im Vergleich zu der deiner Kollegen und anderen Mitarbeitenden in der Organisation ein?

Gehörst du zu den Top 1 %? Zu den besten 5 %? Siehst du dich unter den besten 10 oder 20 %? Zählst du dich zu den besten 30 %? Oder gehörst du vielleicht zu den besten 50 % in deinem Unternehmen?

Kaum jemand sieht sich selbst bei den unteren 50 %, was rein statistisch nicht aufgeht, da diese Hälfte sonst gänzlich leer wäre.

Wir lernen daraus, dass Menschen, die sich für erfolgreich halten, dazu neigen, ihren Erfolg zu überbewerten und eine falsche Selbsteinschätzung ihrer Leistung haben.

Menschen, die sich selbst überschätzen, sind in der Annahme, dass sie anderen gegenüber überlegen sind. Sie glauben, dass sie mehr können, länger durchhalten oder einen grösseren Einfluss haben, als es tatsächlich der Fall ist.

Die Kombination von Inkompetenz und Selbstüberschätzung ist ein explosives Pulverfass, das nicht nur bei der Einstellung neuer Mitarbeitender zu einem Problem wird, sondern auch häufig Führungskräfte betrifft.

Je höher die Position in der Organisation, desto mehr beobachte ich, dass nur noch Rückmeldungen von Menschen zählen, die der eigenen Selbsteinschätzung beipflichten und ehrliches Feedback überhaupt nicht mehr ankommt.

Und liebe Männer, in der Regel sind wir es, die sich besonders oft selbst überschätzen, wie diverse Studien zeigen.

Sei jetzt ganz ehrlich: Wie schätzt du dich selbst ein und könnte es sein, dass du dich überschätzt?

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Eine Frage an dich – ganz ohne Wertung oder Kritik. Notiere dir im Geiste, wie du folgende Frage beantworten würdest: Wie schätzt du deine Leistung im Vergleich zu der deiner Kollegen und anderen Mitarbeitenden in der Organisation ein?

Würdest du antworten, dass du zu den Top 1 % zählst? Zu den besten 5 %? Oder vielleicht zu den besten 10 oder 20 %? Siehst du dich unter den besten 30 %? Du hast noch nicht genickt – gehörst du dann vielleicht zu den besten 50 % in deinem Unternehmen?

Du hast deine Antwort geistig notiert und fragst dich jetzt, was das bringen soll? Schauen wir uns zunächst an, wie andere Menschen auf diese Frage geantwortet haben. Die Global Coaching Group hat 2022 mehr als hunderttausend Menschen auf der ganzen Welt diese Frage gestellt. Die Ergebnisse sind verblüffend: 70 % sagen, dass sie zu den besten 10 % in ihrem Unternehmen gehören. 82 % denken, dass sie zu den Top 20 gehören. 98 % glauben, dass sie in der oberen Hälfte sind und lediglich 2 % glauben, dass sie in der unteren Hälfte sind.

Statistisch gesehen ergibt das keinen Sinn: Wenn 98 % der Mitarbeitenden denken, sie seien in der oberen Hälfte ihrer Vergleichsgruppe, wäre die untere Hälfte nahezu nicht vorhanden. Wir lernen daraus, dass Menschen, die sich für erfolgreich halten, dazu neigen, ihren Erfolg zu überbewerten und eine falsche Selbsteinschätzung ihrer Leistung haben.

 

Selbstüberschätzung begegnet uns überall

Bei der Selbstüberschätzung oder dem sogenannten «Overconfidence-Effekt», handelt es sich um die übertrieben positive Fehleinschätzung der eigenen Fähigkeiten. Menschen, die sich selbst überschätzen, sind in der Annahme, dass sie anderen gegenüber überlegen sind. Sie glauben, dass sie mehr können, länger durchhalten oder einen grösseren Einfluss haben, als es tatsächlich der Fall ist. Psychologen sprechen in diesem Fall auch von einer kognitiven Wahrnehmungsverzerrung.

Der wohl bekannteste Aspekt dieser Verzerrung ist der Dunning-Kruger-Effekt. Dieser beschreibt eine gezielte Blindheit gegenüber der eigenen Kompetenz. Menschen überschätzen ihre Fähigkeiten massiv und erkennen nicht einmal ihre eigene Inkompetenz. Der Effekt tritt auf allen Ebenen des Lebens auf – sei es im Berufsleben oder im Alltag.

 

Der Dunning-Kruger-Effekt und seine Beispiele

Der Dunning-Kruger-Effekt wurde von den Psychologen David Dunning und Justin Kruger beschrieben und zeigt, dass Menschen mit wenig Wissen oft am selbstsichersten auftreten. Diese Personen bewerten ihre Fähigkeiten stark über und sind unfähig zu erkennen, wie wenig sie tatsächlich wissen.

Ein Beispiel hierfür ist McArthur Wheeler, ein Bankräuber aus dem Jahr 1995. An einem lauen Sommertag in Pittsburgh lächelte er in die Überwachungskamera einer Bank und raubte sie ohne das Tragen einer Maske aus. Nur wenige Stunden später wiederholte er das Vorgehen.

Noch am selben Abend überführte die Polizei ihn. Wheeler wiederholte dabei immer wieder den Satz: «But I wore the juice.» Im ersten Augenblick ein absolut sinnloser Satz. Doch die Idee dahinter war nicht so schlecht, denn Wheeler rieb sich sein Gesicht mit Zitronensaft ein, da er der Annahme war, dass somit sein Gesicht für die Kameras unkenntlich sei – basierend darauf, dass dieser auch als eine Art unsichtbare Tinte verwendet werden kann. Im Vorfeld übte Wheeler mit einer Polaroidkamera, die tatsächlich nur leere Fotos ausgab. Hierbei handelte es sich jedoch um einen technischen Defekt, den er als Zeichen sah, dass ihn keine Kamera erkennen könne.

Daraufhin ging er mit reichlich Zitronensaft im Gesicht in die Banken und raubte sie aus – ein folgenschwerer Fehler.

Es muss nicht immer der Bankraub sein – Selbstüberschätzung zeigt sich in vielen Situationen: Autofahrer halten sich für überdurchschnittlich gut am Steuer, Castingshow-Teilnehmer sind der Meinung ihre Gesangskünste haben der Welt noch gefehlt, sogar Hochschulprofessoren neigen dazu, ihre Kompetenzen als überdurchschnittlich einzuschätzen.

 

Konsequenzen der Selbstüberschätzung in Unternehmen

Überschätzen Führungskräfte und Mitarbeitende sich und ihre Kompetenz, führt das oft dazu, dass versprochene Leistungen nicht erbracht werden und schlechte Stimmung im Team entsteht. Wir alle kennen den Kollegen, der während Meetings seine Glanzleistungen übertrieben lobt. Ein Blick auf die Kollegen zeigt, dass diese genau wissen, warum das Projekt ein Erfolg wurde – weil sie die Arbeit des Kollegen oder der Kollegin mitübernommen haben. Die Kombination von Inkompetenz und Selbstüberschätzung ist ein explosives Pulverfass, weshalb Führungskräfte schon bei der Einstellung neuer Mitarbeitender auf entsprechende Warnsignale achten sollten.

 

Je höher die Position, desto höher die Selbstüberschätzung

Wurdest du schon einmal befördert? Hast du erlebt, dass alle plötzlich über deine Witze lachen, gespannt den Geschichten lauschen, die du erzählst und dir auf einmal im Vorbeigehen zulächeln?

In der Regel halten sich viele, die in der Hierarchie aufsteigen, auch selbst für lustiger, interessanter und kompetenter als andere. Grundsätzlich ist diese Haltung natürlich, aber sie führt auch zu einem Problem. Sind Menschen der festen Überzeugung, dass sie zu den besten 10 % in ihrem Unternehmen gehören, fällt es ihnen zunehmend schwerer, das Feedback von den 90 % zu akzeptieren und anzunehmen, die in ihren Augen schlechtere Leistungen bringen als sie selbst. Es kommt sogar noch schlimmer: Es zählen nur noch die Rückmeldungen von Menschen, die der eigenen Selbsteinschätzung beipflichten – alle anderen Meinungen haben überhaupt kein Gewicht mehr. Je höher die Position in der Organisation, desto schwerer fällt es, um Hilfe zu bitten, sich selbst zu verbessern.

Und leider, liebe Männer, in der Regel sind wir es, die sich besonders oft selbst überschätzen.

 

Ein Blick auf Geschlechterunterschiede

Laut einer australischen Studie schätzen Männer sich im Schnitt klüger ein, als sie tatsächlich sind, während Frauen ihre eigene Intelligenz eher unterschätzen.

Das Team um David Reilly von der Griffith University bat mehrere Hundert Frauen und Männer, ihre persönlichen Intelligenzquotienten zu schätzen – mit dem Hinweis, danach einen IQ-Test abzulegen. Das Ergebnis ist eindeutig: Männer neigen stärker zur Selbstüberschätzung ihrer Intelligenz als Frauen.

Die grösste Selbstüberschätzung legten Männer an den Tag, deren männliche Persönlichkeitsmerkmale besonders ausgeprägt waren – ein Phänomen, das möglicherweise schon in Kindheitstagen beginnt, wo Jungen oft selbstbewusster auftreten dürfen als Mädchen.

Diese Kluft könnte laut David Reilly auch zumindest teilweise den Gender Pay Gap erklären sowie Unterschiede bei Verhandlungen zwischen Frauen und Männern beeinflussen, da weniger selbstbewusste Frauen womöglich ihr Gehalt schlechter verhandeln, weil sie ihre Fähigkeiten unterschätzen.

 

Blinde Flecken der eigenen Kompetenz erkennen

Egal ob Mann oder Frau, ein offener, reflektierter und objektiver Umgang mit sich selbst und anderen Menschen hilft dabei, blinde Flecke der eigenen Kompetenz zu erkennen und nicht selbst ein Opfer von verzerrten Wahrnehmungsprozessen zu werden.

Damit du als Führungskraft nicht in die Falle der Selbstüberschätzung tappst, habe ich in meinem Buch «Die Heldenreise einer Führungskraft – wie du als Leader*in die beste Version deiner selbst wirst» anschauliche und praxisorientierte Ansätze beschrieben, die dir dabei helfen, deinen Führungsstil zu überdenken und dich selbst zu reflektieren. Eine realistische Selbsteinschätzung sorgt nicht nur dafür, dass wir uns stetig verbessern, sondern auch für Erfolge, die von anderen anerkannt werden.