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Selbstbewusste Mitarbeitende – Aufgabe der Führung oder persönliche Verantwortung?

Selbstbewusste Mitarbeitende – Aufgabe der Führung oder persönliche Verantwortung?

Selbstbewusste Mitarbeitende – Aufgabe der Führung oder persönliche Verantwortung?

«Ich schaffe das nicht.» – Wie oft haben wir das schon von Kindern in der Schule gehört?

Eine Lehrerin startete ein Experiment: Sie liess ihre Schüler/innen mit einer Eins respektiver einer Sechs ins Schuljahr starten. Die einzige Aufgabe war, diese Note zu halten.

Das Ergebnis? Überragende Motivation und Top-Noten. Alles nur Zufall? Oder steckt dahinter ein psychologisches Phänomen, das auch Führungskräfte kennen sollten?

In den 1960ern entdeckten Forschende den Pygmalion-Effekt: Erwartungen beeinflussen die Realität. Lehrkräfte, die an vermeintliche «Spitzenkinder» glaubten, sahen plötzlich einen sprunghaften Leistungsanstieg – obwohl die Auswahl rein zufällig war.

Was passiert, wenn wir diesen Effekt auf Unternehmen adaptieren?

Ein Verkaufsleiter teilt seinem Team mit: «Ihr seid die Besten.» Das Ergebnis? Rekordumsätze und gefeierte Superstars. Gleichzeitig erstickte ein anderer Leader mit negativen Erwartungen das Potenzial seines Teams.

Die Erkenntnis: Führungskräfte sind massgeblich für das Selbstbewusstsein ihrer Mitarbeitenden verantwortlich.

Im aktuellen Newsletter tauche ich noch tiefer in die Thematik ein.


«Ich schaffe das nicht.»

«Die denken doch eh, ich kann nichts.»

«Die 5 in Mathe wird mich mein Leben lang verfolgen.»

Das Zeugnis liegt auf dem Tisch und die Frustration wächst – bei Eltern und Kindern. Währenddessen macht sich eine Lehrerin am anderen Ende der Stadt Gedanken darüber, wie sie ihre Schülerinnen und Schüler am besten motivieren und für den Lernstoff des nächsten Schuljahres begeistern kann.

Sie hatte eine aussergewöhnliche Idee, die auch für Führungskräfte von Bedeutung ist.

Am ersten Schultag verkündete die Lehrerin allen Schülern, dass sie mit einer Eins respektive einer Sechs (in der Schweiz) ins Schuljahr starten würden. Das Einzige, was sie nun tun müssten, sei, diese Note zu halten. Das Ergebnis war erstaunlich: Die Kinder erzielten hervorragende Leistungen und waren höchst motiviert, ihre gute Note zu behalten. Dieses Beispiel verdeutlicht, wie eine positive Erwartungshaltung das Verhalten und die Leistung von Menschen beeinflussen kann.

 

Akademischer Ausreisser oder purer Zufall?

Wir bleiben noch im Kontext der Schule. In den USA wurde in den 1960er-Jahren eine Studie an Grundschullehrer/innen in Kalifornien durchgeführt. Das Experiment der Forscher Robert Rosenthal und Leonore Jacobsen ist heute bekannt als «Pygmalion-Effekt» oder «Rosenthal-Jacobson-Studie».

In der Studie wurde den Lehrkräften die falsche Information gegeben, dass bestimmte Schüler/innen in ihren Klassen als «akademische Ausreisser» identifiziert wurden, von denen im kommenden Jahr ein erhebliches intellektuelles Wachstum zu erwarten sei. In Wirklichkeit wurden diese Schüler/innen nach dem Zufallsprinzip ausgewählt, und es gab keine Beweise dafür, dass sie tatsächlich akademische Fortschritte machen würden. Am Ende des Schuljahres stellten die Forscher fest, dass die Schüler/innen, die als akademische Ausreisser eingestuft worden waren, im Vergleich zu ihren Mitschüler/innen wirklich erhebliche Lernfortschritte gemacht hatten. Die Forscher kamen zu dem Schluss, dass die Erwartungen der Lehrkräfte an die Schüler/innen einen erheblichen Einfluss auf deren Leistungen hatten.

Die Studie zeigte, dass die Überzeugungen der Lehrkräfte über ihre Schüler/innen deren Verhalten und Erwartungen beeinflussen können, was sich letztlich auf die Ergebnisse auswirkte. Dieses Phänomen ist heute auch als «selbsterfüllende Prophezeiung» bekannt. Das Experiment wurde inzwischen in verschiedenen Umgebungen und mit unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen wiederholt, und die Ergebnisse stimmen mit der ursprünglichen Studie überein.

 

Nicht nur in der Schule …

Jetzt könnte man meinen, dass sich diese Effekte nur in Schulen zeigen und Erwachsene ganz anders reagieren als Kinder. Doch dem ist nicht so. Auch in Unternehmen wirkt der «Pygmalion-Effekt».

Ein regionaler Verkaufsleiter einer grossen Versicherung erzählte seiner Verkaufsmannschaft, dass die Geschäftsleitung die Verkäufer nach ihrem Potenzial in Teams eingeteilt habe. Er habe herausgefunden, dass es sich bei seinen Verkäufern um das Team mit dem grössten Potenzial handle. Das Ergebnis war das gleiche wie in der Schule: Dieses Team erzielte im Vergleich zu den anderen mehr und grössere Verkaufsabschlüsse. Sie wurden sogar von den Kollegen als Superstars gefeiert. Der Bereichsleiter hingegen, der glaubte, die «schlechten» Verkäufer zu haben, hatte seinem Team gegenüber schon von Beginn an eine negative Einstellung, welche sich letztlich in einer negativen Performance widerspiegelte.

 

Positive Verstärkung – eine Aufgabe der Führung

Die Versuche zeigen deutlich, dass Führungskräfte es in der Hand haben, das Selbstbewusstsein ihrer Mitarbeitenden zu fördern oder es zu ersticken. Je nachdem, wie sie vorgehen, lässt sich die Performance massgeblich beeinflussen.

Das Selbstbewusstsein der Mitarbeitenden steht und fällt bereits mit den ersten Wochen im Unternehmen. Neue Mitarbeitende sollten daher von der Führungskraft Aufgaben erhalten, die sich leicht lösen lassen. Dadurch erhalten die Neuen direkt erste Erfolgserlebnisse, die ihr Selbstbewusstsein stärken. Auch das Hervorheben und Wertschätzen von Leistung – am besten vor versammelter Mannschaft – und die positive Verstärkung sind Massnahmen, die zu mehr Selbstbewusstsein führen und wiederum in besseren Ergebnissen münden.

Der «Pygmalion-Effekt» hat bedeutende Auswirkungen auf Führungskräfte und deren Interaktionen mit ihren Mitarbeitenden

 
  • Leistungssteigerung: Führungskräfte, die positive Erwartungen an ihre Mitarbeitenden haben, können deren Leistung tatsächlich steigern. Wenn sie ihren Mitarbeitenden mehr zutrauen und dies kommunizieren, werden sie motiviert, ihr Bestes zu geben.
  • Arbeitsklima: Eine positive Erwartungshaltung fördert ein unterstützendes Arbeitsumfeld, in dem sich Mitarbeitende wertgeschätzt und bestärkt fühlen.
  • Teameffektivität: Hohe Erwartungen an das Team können die Motivation und Zusammenarbeit fördern, was zu effektiverer Teamarbeit und besseren Ergebnissen führt.
  • Selbsterfüllende Prophezeiung: Die Erwartungen der Führungskraft wirken wie eine selbsterfüllende Prophezeiung. Positive Erwartungen führen zu positiven Ergebnissen, während negative Erwartungen die Leistungsfähigkeit mindern.
  • Potenzialentfaltung: Durch den gezielten Einsatz des «Pygmalion-Effekts» tragen Führungskräfte dazu bei, dass Mitarbeitende ihr volles Potenzial ausschöpfen und über sich hinauswachsen.
 

Es ist wichtig zu beachten, dass der «Pygmalion-Effekt» auch negative Auswirkungen haben kann, wenn Führungskräfte ihren Mitarbeitenden wenig zutrauen. Daher sollten Führungskräfte stets eine positive Erwartungshaltung pflegen, um das Beste aus ihrem Team herauszuholen.

Selbstbewusste Mitarbeitende erzielen deutlich bessere Ergebnisse – dafür ist es aber essenziell, dass sie auch selbstbewusste Führungskräfte haben. Impulse zu diesem Thema erhältst du in meinem Buch «Das Phönix-Prinzip» oder melde dich direkt bei mir.