Perfektionismus oder Exzellenz?
Perfektionismus oder Exzellenz?
Ich erlebe häufig, dass Menschen nach Perfektion streben – dem fehlerfreien Idealzustand.
Was sie dabei vergessen ist, dass diese meist unerreichbar bleibt. Vielmehr führt sie zu Stress, Angst oder Prokrastination.
Angetrieben wird der Perfektionismus oft von Vermeidungsverhalten, Versagensängsten und der mangelnden Bereitschaft, sich Kritik und Herausforderungen zu stellen.
Stattdessen sollten wir nach Exzellenz streben.
Dadurch wird jeder Einzelne ermutigt, sich darauf zu konzentrieren, sein Bestes zu geben, und gleichzeitig zu akzeptieren, dass Fehler und Unvollkommenheiten ein natürlicher Teil des Lern- und Wachstumsprozesses sind.
Wenn du deine Mitarbeitenden auf dem Weg zur Exzellenz unterstützt, wächst ihr Selbstvertrauen, ihre Eigeninitiative nimmt zu und ihre Selbstverantwortung wird gefördert.
Welche 10 Massnahmen du als Führungskraft ergreifen kannst, um eine Kultur der Exzellenz statt der Perfektion zu fördern, erfährst du in meinem Newsletter.
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Perfektion wird allgemein als der Zustand oder die Eigenschaft beschrieben, vollkommen oder fehlerfrei zu sein. Es ist ein Idealzustand, in dem alles genau so ist, wie es sein sollte, ohne Mängel oder Verbesserungsbedarf.
Vor einiger Zeit durfte ich ein Team von Führungskräften begleiten, welches sich durch ein aussergewöhnlich hohes Mass an individueller Perfektion auszeichnete. Einerseits war ich fasziniert von dem Bestreben, die jeweils bestmöglichen Lösungen auszuarbeiten. Andererseits fragte ich mich, wem diese Lösungen dienen sollten. Vielleicht den Klienten, doch dafür gab es keine schlüssigen Indizien. Marktstudien zur Zahlungsbereitschaft von Kunden und Konkurrenzvergleiche liessen eher die Schlussfolgerung zu, dass die Lösungen «Over Engineered» werden. Ist das der Fall, kann Perfektion zur Geissel für ein Unternehmen werden.
Perfektion mag zwar als ideales Ziel erscheinen, doch sie bleibt meist unerreichbar. Vielmehr führt sie häufig zu Stress, Angst oder «Aufschieberitis». Ebenso lässt sie keine Unvollkommenheit oder gar Fehltritte zu, was enormen Druck auslöst. Angetrieben wird der Perfektionismus oft von Vermeidungsverhalten, Versagensängsten und der mangelnden Bereitschaft, sich Kritik und Herausforderungen zu stellen. Wer Perfektion erreichen möchte, wird kaum die notwendigen Massnahmen ergreifen oder Entscheidungen treffen, denn immer sitzt einem die Furcht im Nacken, einen Fehler zu machen oder hinter den Erwartungen zurückzubleiben. In der Folge wird viel zu lange an einer Lösung herumgeschraubt, die am Ende doch kaum je perfekt sein wird.
Unvollkommenheit ist natürlich
Statt der Perfektion hinterherzulaufen, ermutigt das Streben nach Exzellenz jeden Einzelnen dazu, sich darauf zu konzentrieren, sein Bestes zu geben, und gleichzeitig zu akzeptieren, dass Fehler und Unvollkommenheiten ein natürlicher Teil des Lern- und Wachstumsprozesses sind. Wenn du deine Mitarbeitenden auf diese Weise unterstützt, wächst ihr Selbstvertrauen, ihre Eigeninitiative nimmt zu und ihre Selbstverantwortung wird gefördert. Dies wirkt sich direkt positiv auf die Performance deines Teams aus. Exzellenz bedeutet, hohe Massstäbe anzulegen, hart zu arbeiten und die eigenen Fähigkeiten und Fertigkeiten kontinuierlich zu verbessern. Dazu gehört auch die Bereitschaft, Risiken einzugehen, aus Fehlern zu lernen und sich an veränderte Umstände anzupassen. Diejenigen, die exzellente Leistungen erbringen, werden nicht von der Furcht vor Fehlern getrieben, sondern von dem Wunsch, ihr Bestes zu geben und einen positiven Beitrag zu leisten.
Wie Martin G. Moore, der mich zu diesem Artikel inspiriert hat, ausführt, muss das Mantra jeder Führungskraft «Excellence over Perfection» lauten.
Exzellenz vor Perfektion
Als Führungskraft kannst du einige Massnahmen ergreifen, um eine Kultur der Exzellenz statt der Perfektion zu fördern.
- Alles steht und fällt mit deinem Verhalten als Führungskraft: Lebe also den Grundsatz «Exzellenz vor Perfektion» im Alltag vor.
- Lege deine Erwartungen offen und klar dar: Definiere, was Exzellenz für dich im Kontext der Ziele und den Werten der Organisation bedeutet. Kommuniziere dies an alle Mitarbeitenden und gib konkrete Beispiele dafür, wie Exzellenz in der Praxis aussieht.
- Rekrutiere die «richtigen» Mitarbeitenden: Achte bei der Einstellung von Mitarbeitenden darauf, dass diese die Werte der Organisation teilen und den Grundsatz «Exzellenz vor Perfektion» bereits verinnerlicht haben. Andernfalls steht dir als Führungskraft ein enorm anspruchsvoller und langwieriger Coachingprozess bevor.
- Erkenne das Streben nach Exzellenz auch dann an, wenn es zu Misserfolgen führt. Finde Fälle, in denen Mitarbeitende sinnvolle Risiken eingehen, um damit bessere Ergebnisse zu erzielen.
- Bitte bei der Delegation von Aufgaben die entsprechenden Mitarbeitenden, schnell mit einem ersten groben Entwurf der Lösung zu dir zu kommen. Dies stärkt das Konzept der Iterationen: sie verfeinern etwas schrittweise, bis es eine akzeptable Qualität erreicht hat. Zudem ermöglicht dir das, auf die Ausgestaltung der Lösung zu einem Zeitpunkt Einfluss zu nehmen, an dem der Mitarbeitende unter Umständen nicht Stunden umsonst geleistet hat.
- Wertschätze und belohne die Schnelligkeit von Entscheidungen, insbesondere von schwierigen. Untersuchungen zeigen, dass sowohl das Team als auch jeder Einzelne massiv davon profitiert, wenn die Entscheidungsfindung zügig voranschreitet.
- Delegiere die Verantwortung, aber auch die Kompetenzen für eine Aufgabe so weit wie möglich in der Hierarchie nach unten. Es gibt kein wirksameres Modell, das die Menschen dafür verantwortlich macht, was sie tun und wie sie es tun.
- Fördere eine offene Kommunikation: Schaffe ein Umfeld, in dem sich die Mitarbeitenden wohlfühlen, wenn sie Ideen und Feedback austauschen können, und fördere einen konstruktiven Dialog und Diskussionen.
- Nutze das Pareto-Prinzip: Manche Dinge sind erfolgskritischer als andere, je nachdem, welche Konsequenzen ein Fehler haben könnte. Eine Risikobeurteilung zeigt dir, wie weit du die 80/20-Regel ausreizen kannst, ohne in Schwierigkeiten zu geraten.
- Vergewissere dich, dass deine Direct Reports erklären können, wie sie die Kultur der «Exzellenz» fördern.
Perfektionismus ist der Drang, fehlerfreie Ergebnisse zu erzielen und unrealistisch hohe Standards zu setzen. Perfektionisten neigen dazu, sich stark auf Details zu konzentrieren und können Schwierigkeiten haben, Projekte abzuschliessen, da sie ständig nach Verbesserungen suchen. Dies kann zu Prokrastination, Stress und Unzufriedenheit führen, da die Erwartungen oft unerreichbar sind. Perfektionismus kann auch die Kreativität einschränken, da die Angst vor Fehlern oder Kritik Innovationen hemmt.
Exzellenz hingegen bedeutet das Streben nach herausragender Qualität und kontinuierlicher Verbesserung, ohne den Anspruch auf absolute Fehlerfreiheit. Menschen, die Exzellenz anstreben, setzen sich hohe, aber erreichbare Ziele und sind bereit, aus Fehlern zu lernen. Sie sehen Herausforderungen als Chancen zur Weiterentwicklung und legen Wert auf Fortschritt statt auf Perfektion. Dieser Ansatz fördert eine positive Einstellung zum Lernen und zur persönlichen Entwicklung.
Der Unterschied zwischen beiden liegt also in der Herangehensweise: Während Perfektionismus oft von Angst getrieben wird und zu Stillstand führen kann, basiert Exzellenz auf einem gesunden Ehrgeiz und der Bereitschaft zur Anpassung.
Exzellenz wird belohnt
Eine Kultur der Exzellenz zu schaffen, erfordert von dir und deinen Führungskräften grosses Engagement und eine kontinuierliche Ausrichtung auf Verbesserung. Nimm die Herausforderung an – es lohnt sich. Wenn du für dieses Thema einen Sparringspartner oder Coach suchst, der dir Exzellenz näherbringt, lass uns miteinander sprechen.



