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Ist unsere Identität nur die Summe unserer Gewohnheiten? 7 spannende Erkenntnisse, die du darüber wissen solltest

Ist unsere Identität nur die Summe unserer Gewohnheiten? 7 spannende Erkenntnisse, die du darüber wissen solltest

Ist unsere Identität nur die Summe unserer Gewohnheiten?

Wir alle kennen das bekannte Zitat, das Charles Reade zugeordnet wird:
Achte auf Deine Gedanken, denn sie werden Worte.
Achte auf Deine Worte, denn sie werden Handlungen.
Achte auf Deine Handlungen, denn sie werden Gewohnheiten.
Achte auf Deine Gewohnheiten, denn sie werden Dein Charakter.
Achte auf Deinen Charakter, denn er wird Dein Schicksal.

Doch stimmt es tatsächlich, dass unser Charakter nur die Summe unserer Gewohnheiten ist?

Gewohnheiten prägen unseren Alltag: Sie bestimmen, wann wir aufstehen, wie wir arbeiten und unsere Pausen gestalten, ob wir Sport treiben oder wie viel Zeit wir unseren Hobbys widmen.

Einige Gewohnheiten sind sinnvoll, wie gesunde Ernährung und Bewegung, andere weniger nützlich, wie stundenlanges Scrollen durch Social Media.

Empirische Untersuchungen zeigen jedoch, dass unsere Identität nicht zwingend mit unseren Gewohnheiten verknüpft ist.

Menschen unterscheiden sich darin, welche Gewohnheiten einen Teil ihrer Identität ausmachen. Und auch nicht gewohnheitsmässige Verhaltensweisen können identitätsstiftend sein.

Für Führungskräfte ist es besonders wichtig zu reflektieren: «Wie möchte ich als Führungskraft sein?» Eine Analyse der täglichen Gewohnheiten ist hier ein erster Schritt zur Weiterentwicklung.

Welche Gewohnheiten prägen deine Identität und würdest du sie ändern? 🧐

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Wir alle kennen dieses bekannte Zitat, das Charles Reade zugeschrieben wird:

Achte auf Deine Gedanken, denn sie werden Worte.

Achte auf Deine Worte, denn sie werden Handlungen.

Achte auf Deine Handlungen, denn sie werden Gewohnheiten.

Achte auf Deine Gewohnheiten, denn sie werden Dein Charakter.

Achte auf Deinen Charakter, denn er wird Dein Schicksal.

Auch wenn es zugegebenermassen eine oft bemüht romantische Verklärung ist, steckt doch eine gewisse Wahrheit darin. Ist es jedoch wirklich so, dass unser Charakter lediglich die Summe unserer Gewohnheiten ist?

 

Gewohnheiten prägen unser Leben

Deine Gewohnheiten entscheiden über deinen Tagesablauf: Wann du aufstehst, wie du arbeitest und deine Pausen gestaltest, ob du Sport treibst, wie viel Zeit du deinen Hobbys widmest, welche Rituale du mit deinen Kindern oder innerhalb der Familie pflegst usw. Einige Gewohnheiten, wie eine gesunde Ernährung oder Bewegung, sind sinnvoll, andere wiederum, wie das stundenlange Scrollen durch Social Media oder die Siegeszigarre nach einem erfolgreichen Geschäft, sind unnütz – und es gibt sogar skurrile Gewohnheiten zum Beispiel alle Kleidung in Pink zu kaufen.

Wie im Zitat von Reade angedeutet, wird oft behauptet, dass unsere Identität im Grunde nichts anderes sei als die Summe unserer Gewohnheiten.

Jeden Morgen wachst du zur gleichen Zeit auf, machst dir einen Kaffee und liest die Zeitung. Diese Routine gibt dir ein Gefühl von Stabilität und Struktur. Aber ist das wirklich ein Teil deiner Identität oder einfach nur eine Gewohnheit?

Um diese Frage zu beantworten, habe ich Nachforschungen in den entsprechenden Forschungsgebieten getätigt und verschiedene Publikationen zu empirischen Untersuchungen gefunden, die sich gezielt mit der Frage des Zusammenhangs zwischen Identität und Gewohnheit auseinandersetzen.

 

Die 7 wichtigsten Erkenntnisse

 
  1. Unsere Gewohnheiten sind nicht zwingend mit unserer Identität verknüpft. Insbesondere wenn es sich dabei um Gewohnheiten handelt, wie z. B. an seinen Fingernägeln zu kauen.
  2. Menschen unterscheiden sich darin, welche Gewohnheiten sie entwickeln, und somit darin, welche Gewohnheiten, wenn überhaupt, einen Teil ihrer Identität ausmachen.
  3. Auch nicht-gewohnheitsmässige Verhaltensweisen können Teil der Identität eines Menschen sein. Zum Beispiel, wenn jemand ausgesprochen gerne reist und neue Länder entdeckt, dies aber nur sporadisch tut.
  4. Aus Gewohnheiten abgeleitete Identitätsgefühle werden mit kognitiven, impulsartigen und motivierenden Facetten des Selbst in Verbindung gebracht. Wer regelmässig Sport treibt, wird sich als sportlicher Mensch sehen.
  5. Einige Gewohnheiten sind eindeutiger mit Identitätsgefühlen verbunden als andere. Vornehmlich solche Gewohnheiten, die Ausdruck dauerhafter Ziele oder Werte sind. Beispiele hierzu sind «regelmässig zu trainieren» oder «keinen Alkohol zu trinken».
  6. Personen, bei denen Gewohnheiten stark mit Identitätsgefühlen verbunden sind, haben eine stärkere kognitive Unabhängigkeit, ein höheres Selbstwertgefühl und ein stärkeres Streben nach einem idealen Selbst. Beispiele hierfür sind das regelmässige Lesen einer Tageszeitung oder das wiederkehrende Teilnehmen an Weiterbildungsveranstaltungen.
  7. Das eigene Selbst funktioniert als «individuelles Gravitationszentrum», das kognitive, affektive, motivationale und verhaltensbezogene Facetten umfasst. Die Stärke dieser «Gravitationskraft» ist von Individuum zu Individuum unterschiedlich. Für einige scheint das Selbst eine relativ locker zusammengesetzte Struktur zu haben, während es für andere eine viel stärkere Kohärenz aufweist. Bei der letztgenannten Art von Personen spielen Gewohnheiten eine Rolle in dieser Struktur und machen somit einen Teil der Identität aus.
   

Weitere interessante Erkenntnisse

Eine Studie von Wendy Wood und David T. Neal zeigt auf, dass etwa 40 % unseres täglichen Verhaltens durch Gewohnheiten bestimmt wird. Das bedeutet jedoch nicht zwangsläufig, dass diese 40 % auch unsere Identität ausmachen.

Ein weiteres interessantes Ergebnis stammt aus der Forschung von Phillippa Lally, die herausfand, dass es durchschnittlich 66 Tage dauert, bis eine neue Handlung zur Gewohnheit wird. Dies zeigt die Dynamik und Veränderbarkeit unserer Verhaltensmuster auf – was wiederum bedeutet, dass auch unsere Identität flexibel wäre.

 

Wer bin ich?

Es lässt sich also festhalten, dass keine eindeutige Kausalbeziehung zwischen zwei Bezugsgrössen – hier Gewohnheit und Identität – gibt. Dennoch besteht bei den meisten Menschen ein klarer Zusammenhang zwischen ihren Gewohnheiten und ihrer Identität.

Mit diesem Wissen im Hinterkopf lohnt es sich in jedem Fall bewusst mit den Fragen: «Wer bin ich?», «Wer möchte ich sein?» und «Welche Gewohnheiten muss ich mir hierfür aneignen oder ablegen?» auseinanderzusetzen und zu reflektieren.

 

Bedeutung für Führungskräfte

Für dich als Führungskraft spielt das auch im beruflichen Kontext eine Rolle. Frage dich: «Wie möchte ich als Führungskraft sein?» Eine Analyse der täglichen Gewohnheiten im geschäftlichen Wirken ist hier oftmals ein erster Meilenstein zur Weiterentwicklung.

Wie du ein positives und wirkungsvolles Führungsverhalten zu deiner Gewohnheit machst, liest du in meinem Buch: «Die Heldenreise einer Führungskraft – wie du als Leader*in die beste Version deiner selbst wirst».

 

Quellen: Bas Verplanken & Jie Su: Habit and Identity – Behavioral, Cognitive, Affective and Motivational Facets of an Integrated Self; Frontiers in Psychology 2019