«Denk positiv!» Ist das echte Zuversicht?
Es gibt Führungskräfte, die auf den ersten Blick wie ein Sechser im Lotto…
Wenn du die Wahl hättest, für welche Führungskraft würdest du dich entscheiden?
Für Mira, deren Welt aus KPIs und Excel-Tabellen besteht. Die ihren Fokus einzig auf Ergebnisse setzt und bei einem Fehler gerne auch mal das Team zusammenruft, um ihren Unmut darüber kundzutun. Die weniger an Smalltalk und mehr an Produktivität interessiert ist, aber dennoch die Meinung vertritt, dass ihr gemeinsam etwas erreichen und erfolgreich sein könnt.
Oder für Stefan, den immer gut gelaunten «Feel-Good-Manager», der für jedes Problem einen aufmunternden Spruch parat hat. Selbst wenn die Resultate hinter den Erwartungen zurückbleiben, sagt er: «Seht es als Chance, besser zu werden.» Am Ende bleibt oft nur ein lächelndes «Das wird schon wieder.»
Auf den ersten Blick wirkt Stefan wie ein Sechser im Lotto – sympathisch, positiv, motivierend.
Die Falle der toxischen Positivität
Doch genau hier liegt das Problem: Diese Art von Optimismus ist nicht gleichbedeutend mit echter Zuversicht. Stefan verwechselt das Unterdrücken von Negativem mit dem Schaffen von Positivem. Was ihm und seinem Team wirklich fehlt, ist nicht oberflächlicher Optimismus, sondern echte Zuversicht.
Toxische Positivität versucht, jede Situation mit einem übertrieben positiven Blick zu überdecken. Sie ignoriert die Realität von Herausforderungen, Rückschlägen und negativen Gefühlen. Eine Führungskraft, die toxische Positivität praktiziert, sagt dem Team nach einer geplatzten Deadline vielleicht: «Seht es positiv, jetzt haben wir mehr Zeit für den Feinschliff.»
Anstatt die Gründe für die Verzögerung zu analysieren und aus Fehlern zu lernen, wird das Problem mit einem unechten Optimismus zugedeckt. Das Resultat? Mitarbeitende fühlen sich unverstanden, ihre Sorgen werden nicht ernst genommen, und die zugrunde liegenden Probleme bleiben ungelöst. Frustration und Zynismus machen sich breit, während das Vertrauen in die Führung schwindet.
Echte Zuversicht ist das Fundament wirksamer Führung
Echte Zuversicht ist etwas vollkommen anderes. Sie ist der unerschütterliche Glaube an die eigene Fähigkeit und die des Teams, Herausforderungen zu meistern und eine bessere Zukunft zu gestalten. Sie leugnet nicht die Existenz von Schwierigkeiten, sondern anerkennt sie als Teil des Weges. Eine zuversichtliche Führungskraft sagt nicht: «Es gibt keine Probleme», sondern: «Wir haben ein Problem, und ich bin überzeugt, dass wir gemeinsam die Stärke und Intelligenz besitzen, es zu lösen.»
Dieser Ansatz hat eine enorme Wirkung:
- Unterstützung: Zuversicht setzt Menschen in Bewegung. Sie ist ansteckend und inspiriert andere, sich einer Vision anzuschliessen. Nutze diese Energie, um Unterstützung für deine Ideen und Ziele zu gewinnen. Wenn Menschen an die Möglichkeit einer positiven Veränderung glauben, engagieren sie sich und setzen sich dafür ein.
- Motivation: Zuversicht ist eine mächtige Quelle der Motivation. Sie gibt Menschen die Überzeugung, dass ihre Anstrengungen nicht umsonst sind und dass ihre Handlungen einen Unterschied machen. Sie verwandelt eine Gruppe von Mitarbeitenden in ein engagiertes Team, das für eine bessere Zukunft kämpft.
- Resilienz: In jedem Unternehmen gilt es, Hürden zu überwinden und Rückschläge zu verkraften. Echte Zuversicht hilft Mitarbeitenden, auch in schwierigen Zeiten den Mut nicht zu verlieren, weiterzumachen und ihre Ziele mit Entschlossenheit zu verfolgen.
- Veränderung: Zuversicht ist untrennbar mit dem Streben nach Fortschritt verbunden. Ob es darum geht, bestehende Zustände zu verbessern oder völlig neue Wege zu beschreiten – der Glaube an eine positive Veränderung ist der Treibstoff, der Menschen dazu bringt, sich für neue Ziele zu engagieren.
Stärke deine eigene Zuversicht
Um bei deinen Mitarbeitenden Zuversicht zu wecken, musst du selbst davon überzeugt sein. Deine innere Haltung – ob du das Glas als halb voll oder halb leer betrachtest – ist entscheidend. Glücklicherweise kannst du deine eigene Zuversicht aktiv stärken und kultivieren.
- Achte bewusst auf deine Gedanken und versuche, negative Selbstgespräche zu erkennen und umzukehren.
- Fokussiere dich täglich auf die Dinge, für die du dankbar bist. Das Üben von Dankbarkeit trägt dazu bei, den Fokus auf positive Aspekte zu lenken.
- Betrachte Herausforderungen als Gelegenheiten zum Wachstum und zur Entwicklung.
- Umgib dich mit positiven Menschen, die dich unterstützen und ermutigen.
- Sei achtsam für den gegenwärtigen Moment und lass negative Gedanken über die Zukunft oder die Vergangenheit los.
- Betrachte Rückschläge als Gelegenheiten, aus Fehlern zu lernen und es beim nächsten Mal besser zu machen.
Zuversicht als Führungstugend
Die Tugend der Zuversicht ist unerlässlich für eine erfolgreiche Führung und zudem die Voraussetzung für weitere entscheidende Führungskompetenzen. Wie willst du Vielschichtigkeit meistern, wenn du nicht ein tiefes Mass an Zuversicht in dir trägst? Der Umgang mit Ungewissheit und Komplexität erfordert den Mut, einen oft unbekannten Weg einzuschlagen, selbst im Wissen, dass es möglicherweise der falsche ist. Ohne Zuversicht verfällst du in einen ohnmächtigen Stillstand.
Auch um gute Entscheidungen zu treffen, brauchst du Zuversicht. Deine Überzeugung, dass deine Entscheidungen das Team irgendwie weiterbringen und das Schiff durch den Sturm lenken werden, ist essenziell, um diese Kompetenz effektiv zu leben. Zuversicht gibt dir die Kraft, trotz Unsicherheit entschlossen zu handeln.
Denk daran, dass jede erfolgreiche Bewegung mit einer Person beginnt, die leidenschaftlich für eine Sache einsteht. Wenn du nicht selbst davon überzeugt bist und keine Leidenschaft dafür hast, wird es schwierig sein, andere davon zu überzeugen.
Der Unterschied zwischen toxischer Positivität und echter Zuversicht ist also der Unterschied zwischen einem leeren Versprechen und einer fundierten Überzeugung. Während erstere Probleme ignoriert, nimmt letztere sie an und gibt dir und deinem Team die Kraft, sie zu überwinden.
Und am Ende würdest du jetzt vielleicht doch lieber Mira als deine Führungskraft wählen – denn auch wenn sie nicht immer gut gelaunt ist, so hat sie doch die Zuversicht, dass ihr Team gemeinsam etwas erreichen kann.
Welche Fragen dir helfen, deine eigene Zuversicht zu stärken und wie du diese auch in deinem Team erzeugst, erfährst du im nächsten BlArtikel.
Wenn du jetzt weiter an deiner Führungstugend «Zuversicht» arbeiten möchtest, ohne in eine toxische Positivität zu verfallen, sollten wir ins Gespräch kommen.



