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Führung kennt kein Alter – oder doch?

Führung kennt kein Alter – oder doch?

Mit 27 zu jung für die Führungsrolle?
Mit 64 gehört die Führungskraft zum alten Eisen?

Immer wieder begegnen sehr junge wie auch ältere Führungskräfte Vorurteilen – die einen seien noch zu grün hinter den Ohren und die anderen können nicht mehr mithalten.

Meiner Ansicht nach ist die gesamte Diskussion über zu jung oder zu alt häufig eine Scheindebatte.

Sie verstellt den Blick darauf, dass gute Führung primär eine Frage der Kompetenz, der Persönlichkeit und der Haltung ist – nicht des Geburtsdatums.

Ob am Anfang der Führungslaufbahn oder mit jahrzehntelanger Erfahrung – Coaching bietet immer einen wertvollen Raum für Reflexion und Wachstum in jeder Karrierephase.

Seit drei Wochen bin ich offiziell «Professional Certified Coach» der International Coaching Federation (ICF) und habe mich im Rahmen meiner Zertifizierung intensiv mit Leadership Coaching beschäftigt.

In einer kommenden Blogserie werde ich mich vertieft mit dem Thema Leadership Coaching auseinandersetzen. Dabei sind auch eure Erfahrungen und Perspektiven wichtig für mich – was hat euch als Führungskraft wirklich weitergebracht?

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«Ich bin 27 und leite ein Team von 15 Personen. Die meisten im Team sind deutlich älter als ich. Sobald ich einen Vorschlag mache, spüre ich die skeptischen Blicke. Ein Teammitglied hat mich neulich in einem Meeting subtil untergraben, indem er sagte: ‹Das ist eine sehr theoretische Herangehensweise. Vielleicht sollten wir jemanden mit mehr praktischer Erfahrung konsultieren›. Immer wieder erlebe ich negative Anspielungen aufgrund meines Alters.»

Diese Worte stammen von Sophia, einer in meinen Augen brillanten jungen Führungskraft, die ich schon seit ihrem Studium kenne. Mit einem Master-Abschluss und beeindruckenden Erfolgen in ihrer noch jungen Karriere kämpft sie dennoch täglich mit einem unsichtbaren Handicap: ihrem Alter.

Auf der anderen Seite des Altersspektrums steht Klaus (64), der mir ebenfalls davon erzählt, wie es ist, nicht dem Durchschnittsalter einer Führungskraft zu entsprechen. Bei der letzten Umstrukturierung für ein Digitalisierungsprojekt wurde er übergangen. Der nicht ausgesprochene, aber deutlich spürbare Grund: «Er ist zu alt für diesen digitalen Kram.»

Sophia und Klaus sind keine Einzelfälle. Wir reden permanent über Diversität, während wir eine der offensichtlichsten und am weitesten verbreiteten Diskriminierungsformen oft ignorieren: Altersdiskriminierung (Ageismus).

Tatsächlich berichten fast 80 % der älteren Arbeitnehmenden (50+) aus den USA, dass sie bereits Altersdiskriminierung am Arbeitsplatz erlebt oder beobachtet haben, wie eine Studie der AARP (American Association of Retired Persons) ergab (Quelle: AARP, «The Economic Impact of Age Discrimination»). Das ist ein alarmierend hoher Wert und zeigt: Ageismus ist der blinde Fleck in unserer Diversitätsdiskussion – und er trifft uns alle, früher oder später.

 

«Zu Jung»: Zwischen Tatendrang und Akzeptanzlücke

Wenn wir über junge Führungskräfte wie Sophia sprechen, kommen schnell die bekannten Bedenken auf den Tisch. Kritiker führen oft eine vermeintlich fehlende Lebens- und vor allem Führungserfahrung ins Feld, die zu impulsiveren Entscheidungen führt. Auch die Akzeptanz bei älteren, etablierten Kollegen wird manchmal als Hürde gesehen, die jungen Talenten den Start erschwert und ihnen abverlangt, sich Respekt härter zu erarbeiten. Manchmal mag auch noch eine gewisse Unsicherheit im Auftreten mitschwingen, die über die Jahre an Erfahrung oft zur Souveränität reift.

Doch diese Sichtweise ignoriert oft die enorme Energie und den frischen Wind, den junge Führungskräfte mitbringen. Sie sind häufig digitale Vorreiter, nah an aktuellen technologischen wie gesellschaftlichen Trends und bringen eine hohe Veränderungsbereitschaft mit, die gerade in unseren dynamischen Zeiten essenziell ist. Ihre Nähe zur Lebenswelt jüngerer Mitarbeitenden kann zudem helfen, Kommunikationsbrücken zu bauen und deren Bedürfnisse besser zu verstehen. Ist also die reine Anzahl der Jahre wirklich entscheidend, wenn Lernbereitschaft, Intelligenz und Empathie vorhanden sind?

 

Das Stigma «zu alt»: Erfahrungsschatz versus Veränderungsangst?

Am anderen Ende des Spektrums kämpfen erfahrene Führungskräfte wie Klaus oft gegen Stereotypen. Das böse Wort von der Veränderungsresistenz – «Das haben wir schon immer so gemacht» – ist schnell zur Hand. Manchmal wird ihnen pauschal ein Festhalten an überkommenen, starren Hierarchien oder eine geringere Technikaffinität unterstellt, gepaart mit der Sorge, sie könnten weniger dynamisch oder «betriebsmüde» sein.

Dabei wird übersehen, welch unschätzbaren Wert ihr oft über Jahrzehnte aufgebauter Erfahrungsschatz, ihre strategische Weitsicht und ihre in Krisen bewiesene Gelassenheit haben können. Sie kennen das Unternehmen, die Branche, die Fallstricke und Erfolgsfaktoren. Ihr etabliertes Netzwerk und ihre Fähigkeit, als Mentoren zu agieren und Wissen weiterzugeben, sind für Unternehmen unbezahlbar.

Das Vorurteil der mangelnden Anpassungsfähigkeit hält sich jedoch hartnäckig, obwohl Forschungen im Bereich Arbeitspsychologie und Gerontologie immer wieder zeigen, dass Lernbereitschaft und Offenheit für Neues keine Frage des Alters, sondern der Persönlichkeit, der Motivation und der gebotenen Rahmenbedingungen sind.

 

Kompetenz schlägt Kalenderblatt

Die gesamte Diskussion über zu jung oder zu alt ist häufig eine Scheindebatte. Sie verstellt den Blick darauf, dass gute Führung primär eine Frage der Kompetenz, der Persönlichkeit und der Haltung ist – nicht des Geburtsdatums.

Was also macht exzellente Führung wirklich aus?

Es sind Kompetenzen und Tugenden, die in jedem Alter vorhanden sein können (oder eben nicht): In meinem BeBest!-Konzept fassen wir diese Elemente in einem ganzheitlichen Bezugsrahmen zusammen, der Führungsrollen, Führungskompetenzen und Führungstugenden dazu nutzt, Führungswachstum zu erreichen.

Dieser Rahmen bietet Führungskräften eine klare Struktur zur Selbstreflexion und gezielten Weiterentwicklung ihrer Führungspersönlichkeit. Wir fokussieren dabei auf sechs essenzielle Führungskompetenzen und zwölf zentrale Führungstugenden, die das Fundament exzellenter Führung bilden.


Das BeBest-Konzept ist ein praxisnaher Handlungsansatz mit konkreten Werkzeugen für nachhaltigen Erfolg. Führungskräfte, die nach diesem Konzept arbeiten, erzielen nachweislich bessere Ergebnisse, fördern das Engagement ihrer Teams und erleben eine höhere Zufriedenheit in ihrer Rolle.

 

Mein Rat an Führungskräfte – Brücken bauen statt Gräben ziehen

Studien zur Altersdiversität am Arbeitsplatz, wie sie beispielsweise von Organisationen wie der Society for Human Resource Management (SHRM) oder Beratungsunternehmen wie McKinsey regelmässig thematisiert werden, belegen, dass altersgemischte Teams oft innovativer und leistungsfähiger sind. Sie profitieren von der Kombination unterschiedlicher Perspektiven, Erfahrungen und Fähigkeiten – vorausgesetzt, die Führungskraft schafft es, diese Vielfalt konstruktiv zu nutzen.

Da ich selbst eine junge Führungskraft war und mittlerweile älter geworden bin, kann ich beide Seiten gut verstehen. Was ich auf diesem Weg gelernt habe: Erfolgreiche Führung entsteht nicht im Kampf der Generationen, sondern in ihrer Synergie.

 

Für junge Führungskräfte: Dein Weg zu nachhaltiger Akzeptanz und Wirkung

 

1. Verbinde Frische mit Respekt für Erfahrung

Wenn du als junge Führungskraft in eine neue Position kommst, nimm dir Zeit, die bestehenden Strukturen und Kompetenzen zu würdigen. Sophia hat damit gute Erfahrungen gemacht: «In meinem ersten Meeting als Teamleiterin habe ich offen gesagt: Ich weiss, dass einige von euch mehr Berufserfahrung haben als ich. Ich bin hier, weil ich gut darin bin, Teams zu koordinieren und eine Vision zu entwickeln. Aber ich bin auf euer Fachwissen angewiesen und werde viel von euch lernen.» Diese Haltung schafft Vertrauen und öffnet Türen.

 

2. Ziehe einen externen Coach als Entwicklungskatalysator hinzu

Um deine Entwicklung als Führungskraft entscheidend zu beschleunigen und zu vertiefen, ziehe die Zusammenarbeit mit einem externen Coach in Betracht. Ein Coach agiert als Katalysator: Mit einer neutralen Aussensicht, spezifischem Know-how und strukturierten Methoden (wie z. B. im BeBest!-Konzept) hilft er dir, blinde Flecken aufzudecken und gezielt an deinen Zielen zu arbeiten. Diese externe, professionelle Unterstützung ermöglicht es dir oft, viel schneller und gründlicher voranzukommen, als es allein oder nur mit internem Austausch möglich wäre. So wird deine Weiterentwicklung fokussiert und effektiv vorangetrieben.

 

3. Entwickle deine persönliche Präsenz bewusst

Arbeite an deiner Kommunikation, deiner Körpersprache und deinem professionellen Auftreten. Dies bedeutet nicht, dass du deine Authentizität oder Jugendlichkeit verstecken sollst – im Gegenteil. Es geht vielmehr darum, eine Präsenz zu entwickeln, die andere dazu einlädt, auf dich zu hören und dich ernst zu nehmen.

 

4. Lass Ergebnisse sprechen

Nichts überzeugt besser als messbare Erfolge. Konzentriere dich darauf, konkrete Resultate zu liefern und diese transparent zu kommunizieren. Dabei kannst du durchaus die innovativen Ansätze hervorheben, die du aufgrund deiner frischen Perspektive eingebracht hast – aber stets mit dem Fokus auf den gemeinsamen Erfolg des Teams.

 

5. Nutze deinen digitalen Vorsprung als Brückenbauer

Dein natürliches Verständnis für digitale Technologien und moderne Kommunikationsformen ist ein wertvolles Gut. Biete dein Wissen im Sinne eines Reverse Mentoring an – nicht als Belehrung, sondern als Chance zum gegenseitigen Lernen. Wenn du einem erfahrenen Kollegen zeigst, wie bestimmte Tools seine Arbeit erleichtern können, schaffst du Verbindung und Wertschätzung.

 

Für erfahrene Führungskräfte: So bleibst du relevant und bereicherst die nächste Generation

 

1. Kultiviere lebenslanges Lernen als Grundhaltung

Die Bereitschaft, kontinuierlich zu lernen und sich weiterzuentwickeln, ist vielleicht die wertvollste Eigenschaft für langfristigen Führungserfolg. Klaus hat sich angewöhnt, jedes Jahr mindestens eine völlig neue Fähigkeit zu erlernen – letztes Jahr war es Programmieren mit Python, dieses Jahr beschäftigt er sich ausführlich mit KI. Diese Neugier hält ihn nicht nur fachlich aktuell, sondern gibt ihm auch eine gemeinsame Sprache mit jüngeren Kollegen.

 

2. Teile deine Erfahrung durch Geschichten und Kontext

Deine über Jahre gesammelte Erfahrung ist ein unschätzbarer Wert – wenn du sie auf die richtige Weise einbringst. Statt mit Aussagen wie «So haben wir das immer gemacht» zu argumentieren, teile die Geschichte hinter den Entscheidungen: «Als wir 2008 mit einer ähnlichen Situation konfrontiert waren, haben wir zunächst X versucht. Das führte zu diesen Herausforderungen. Dann haben wir Y angepasst und folgende Ergebnisse erzielt.» Diese narrative Form der Erfahrungsweitergabe schafft Kontext statt Widerstand.

 

3. Wachse weiter mit externem Coaching

Auch und gerade für erfahrene Führungskräfte ist die Zusammenarbeit mit einem externen Coach ein entscheidender Hebel für die Weiterentwicklung. Je höher die Position, desto wertvoller wird der neutrale Blick von aussen, der ohne organisationsinterne Filter oder Beziehungsdynamiken Entwicklungspotenziale identifiziert. Ein qualifizierter Coach hilft dir, langjährige Denk- und Verhaltensmuster zu hinterfragen und blinde Flecken zu erkennen, die sich im Laufe deiner Karriere verfestigen können. Die vertrauliche Coaching-Beziehung schafft einen geschützten Raum, in dem auch erfahrene Führungskräfte offen über Unsicherheiten sprechen und neue Perspektiven gewinnen können. Durch massgeschneiderte Herausforderungen, systematische Reflexion und konsequente Umsetzungsbegleitung beschleunigt ein externes Coaching deine Weiterentwicklung signifikant – auch wenn du bereits jahrelange Führungserfahrung mitbringst.

 

4. Baue Brücken durch dein Netzwerk

Eines deiner wertvollsten Assets ist dein über Jahre aufgebautes Netzwerk. Wenn du jüngere Kollegen in dieses Netzwerk einführst und ihnen Türen öffnest, schaffst du einen echten Mehrwert. Dies beschleunigt nicht nur deren Erfolg, sondern stärkt auch eure Beziehung und festigt deinen Status als wertvoller Mentor.

 

5. Sei Wissensmultiplikator und Coach

Deine Rolle wandelt sich mit zunehmender Erfahrung oft vom «Macher» zum «Ermöglicher». Finde Freude darin, dein Wissen weiterzugeben und andere zum Erfolg zu führen. Gerade jüngere Führungskräfte können enorm von deiner Begleitung bei schwierigen Entscheidungen oder Konflikten profitieren – ohne dass du ihnen die Lösungen vorgeben musst.

 

6. Bleibe offen für neue Perspektiven und Methoden

Die Bereitschaft, von jüngeren Kollegen zu lernen, ist ein Zeichen echter Führungsstärke, nicht von Schwäche. Frage aktiv nach ihrer Sichtweise und ihren Ideen. Zeige Wertschätzung für frische Ansätze und die Bereitschaft, etablierte Vorgehensweisen zu überdenken. Diese Haltung fördert nicht nur Innovation, sondern auch den gegenseitigen Respekt.

 

Für Unternehmen: Bewusstes Age-Management etablieren

Für Organisationen bedeutet dies, ein bewusstes Age-Management zu etablieren:

 

1. Schaffe altersgerechte und altersunabhängige Entwicklungsmöglichkeiten.

Biete Weiterbildungen und Karrierewege an, die auf die Bedürfnisse und Stärken verschiedener Altersgruppen eingehen, ohne zu diskriminieren. Achte darauf, dass Talentförderprogramme für alle Altersgruppen zugänglich sind.

 

2. Fördere aktiv alters durchmischte Teams und Führungskreise.

Stelle sicher, dass Führungsteams verschiedene Altersgruppen repräsentieren. Schaffe bewusst Projekte und Initiativen, in denen verschiedene Generationen zusammenarbeiten und voneinander lernen können.

 

3. Schärfe das Bewusstsein für den Wert generationenübergreifender Zusammenarbeit.

Sensibilisiere deine Organisation für die Stärken verschiedener Altersgruppen und die Vorteile ihrer Zusammenarbeit. Würdige und kommuniziere Erfolgsgeschichten, die aus dieser Zusammenarbeit entstehen.

 

4. Etabliere formale und informelle Mentoring-Programme.

Schaffe Strukturen für gegenseitiges Mentoring – sowohl klassisches Mentoring als auch Reverse Mentoring. Dies fördert nicht nur den Wissenstransfer, sondern auch das gegenseitige Verständnis.

 

5. Entwickle flexible Arbeits- und Führungsmodelle.

Ermögliche unterschiedliche Formen der Führung – vom klassischen Vollzeit-Management bis zu Teilzeit-Führungsrollen oder geteilter Führungsverantwortung. Dies kommt allen Generationen zugute und ermöglicht mehr Durchlässigkeit.

 

Führung benötigt Charakter, keine Altersgrenze

Es gibt kein zu jung und kein zu alt für wirksame Führung. Es gibt nur «geeignet» oder «ungeeignet», basierend auf den tatsächlichen Fähigkeiten, dem Potenzial, dem Lernwillen und der Persönlichkeit und Haltung.

Eine junge Führungskraft kann mit dem richtigen Support und Vertrauen genauso Grosses leisten wie eine erfahrene Kraft, die neugierig und offen für die Zukunft bleibt. Und beide können scheitern, wenn die essenziellen Führungskompetenzen und die richtige Einstellung fehlen.

Was wir brauchen, ist nicht ein Kampf darum, welche Generation die besseren Führungskräfte hervorbringt, sondern die Erkenntnis, dass wir alle voneinander lernen können. Führung im 21. Jahrhundert bedeutet, Brücken zu bauen – zwischen Erfahrung und frischer Perspektive, zwischen bewährten Methoden und innovativen Ansätzen, zwischen den Generationen.