Führen ohne Macht – und trotzdem wirksam?
Führen ohne Macht – und trotzdem wirksam?
Vor über 25 Jahren übernahm ich das Präsidium eines Tennisclubs in finanzieller Schieflage.
Viel Image, wenig Substanz – und noch weniger Mittel. Keine Macht, keine Boni, kein Titel-Prestige.
Und doch galt es, ein Team zu mobilisieren, eine Lösung mit der Bank zu verhandeln, Mitglieder zu halten und neue zu gewinnen.
Ich habe damals gelernt, was «Führen ohne Macht» wirklich heisst. Und warum Wertschätzung stärker wirkt als jede Kontrolle.
Heute erleben viele Führungskräfte Ähnliches – ob in agilen Teams, Milizgremien oder Ehrenämtern:
👉 Führung funktioniert nur, wenn Menschen folgen, obwohl sie es nicht müssten.
In der Schweiz engagieren sich jährlich 86 % der Bevölkerung freiwillig – rund 590 Millionen Stunden.
Wer das leitet, führt auf Augenhöhe. Oder gar nicht.
Was wir von der Freiwilligenarbeit für Leadership in Unternehmen lernen können – und warum Ehrenamt oft der härteste Leadership-Test ist – beschreibe ich im aktuellen Newsletter.
👉 Wie führst du, wenn niemand folgen muss?
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Führung wirkt leicht, wenn man Budget, Titel und Karrierepfade in der Hand hat – also Instrumente, um Mitarbeitende zu steuern, zu belohnen oder zu binden. Aber was, wenn all das fehlt? Wenn Menschen nicht müssen, sondern nur wollen – und jederzeit aussteigen könnten?
Genau das ist der Alltag von Vereinspräsident:innen, Elternbeiräten, Projektleitenden in NGOs oder Milizpolitiker:innen in der Schweiz. Sie alle führen ohne Vertrag, ohne Lohn, ohne Sanktionen. Und genau deswegen lohnt sich der Blick in diese Welt: Denn dort zeigt sich, was gute Führung wirklich ausmacht.
Freiwilligenführung in Zahlen – ein Blick in die Schweiz:
- 86 % der Bevölkerung ab 15 Jahren engagieren sich freiwillig – informell oder formell.
- 41 % übernehmen Aufgaben in Vereinen, Organisationen oder Verbänden.
- 590 Millionen Stunden Freiwilligenarbeit jährlich – Wert: rund 30 Milliarden Franken.
Was das Führen von Freiwilligen so anspruchsvoll macht
- Keine formale Autorität – nur persönliche Wirksamkeit. Freiwillige folgen dir nicht, weil sie müssen, sondern weil sie dir zutrauen, dass du etwas in Bewegung bringst.
- Motivation ist freiwillig – und fragil.Wer sich nicht gesehen, gehört oder gewürdigt fühlt, ist weg. Und kommt selten zurück.
- Verbindlichkeit entsteht nicht durch Verträge.Verantwortung entsteht durch Überzeugung, nicht durch Vorgaben. Kommunikation ist hier alles.
- Unterschiedliche Motive treffen aufeinander.Einige wollen gestalten, andere Gemeinschaft erleben – Führung bedeutet hier: Übersetzen, Zuhören, Ausgleichen.
Führungsverhalten, das wirkt – auch ohne Macht
- Sinn stiftenstatt nur Aufgaben verteilen
- Vertrauenschaffen statt Kontrolle ausüben
- Feedbackgeben statt Vorschriften machen
- Beziehungaufbauen statt Position betonen
- Orientierunggeben statt gefallen wollen
Eigene Erfahrung: Führen ohne Macht beginnt mit Haltung
Vor mehr als 25 Jahren übernahm ich das Präsidium eines Berner Tennisclubs – mit Nationalliga-A-Mannschaft, hohem Renommee und grossem Image. Nur: Finanziell stand der Verein vor dem Aus.
Gemeinsam mit dem Vorstand rangen wir um eine Lösung mit der Bank, versuchten, die Mitglieder bei der Stange zu halten und gleichzeitig den Club zu verjüngen und zu erweitern. Es war Leadership pur – ohne Machtmittel, aber mit Verantwortung.
Mehr als ein Bier und ein Stück Pizza während der Sitzungen war damals kaum möglich. Und doch habe ich eins gelernt, ohne es damals schon bewusst so zu benennen: Wertschätzung war das wichtigste Führungsinstrument.
Denn wer freiwillig arbeitet, braucht keine Anreize – er braucht Bedeutung.
Fazit: Wer freiwillig führt, führt mit Substanz
Führung ohne Macht ist der ultimative Leadership-Test. Wenn du Menschen bewegen kannst, ohne Druck und ohne Gehalt, hast du die Essenz guter Führung verstanden.
Das gilt im Verein genauso wie im Unternehmen. Denn letztlich zeigt sich Führungsstärke nicht daran, ob Menschen dir «gehorchen», sondern ob sie dir folgen, obwohl sie es nicht müssten.
Weiterdenken und wirksam handeln
Wenn du selbst ehrenamtlich führst – oder in deinem Job zunehmend merkst, dass klassische Machtinstrumente nicht mehr ziehen –, lohnt sich der Blick auf dein eigenes Führungsverhalten:
- Wie schaffst du Verbindung?
- Wie erzeugst du Vertrauen?
- Wie gibst du Orientierung – ohne Zwang?
In meinem Coaching arbeiten wir genau daran: an einer Führung, die trägt, auch wenn die äusseren Strukturen fehlen. Mehr dazu findest du auch in meinem Buch «Die Heldenreise einer Führungskraft». Lass uns sprechen – unverbindlich, aber konkret.
Ein persönlicher Hinweis: Auf dieses Thema bin ich durch einen wertvollen Impuls von Nicoletta della Valle 🎗️ aufmerksam geworden – ihr Hinweis hat mich an meine eigene Zeit im Vereinspräsidium erinnert und das Thema wieder lebendig gemacht.
Solche Anregungen schätze ich sehr. Wenn auch du eine Idee, Frage oder ein Thema hast, das dich in deiner Führungsrolle beschäftigt: Ich freue mich über Input für zukünftige Newsletter-Ausgaben – und den gemeinsamen Austausch.
Schreib mir einfach direkt oder über freudiger.coach – ich nehme deine Anregung gerne auf.



