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Ehrliches Feedback: Dürfen Mitarbeitende ihren Chefs wirklich die Wahrheit sagen?

Ehrliches Feedback: Dürfen Mitarbeitende ihren Chefs wirklich die Wahrheit sagen?

Ehrliches Feedback: Dürfen Mitarbeitende ihren Chefs wirklich die Wahrheit sagen?

Die Antwort lautet eindeutig Ja.

In der Praxis zeigt sich jedoch, dass viele Vorgesetzte zwar positives Feedback begrüssen, kritische Rückmeldungen hingegen oft auf Widerstand stossen.

Die Ursache liegt auf der Hand: Grundsätzlich lässt sich niemand gerne kritisieren, weshalb es für manche Menschen bereits Mut erfordert, kritisches Feedback auf Augenhöhe zu geben.

Einem Vorgesetzten kritisches Feedback zu geben, bedarf demgegenüber ein deutlich grösseres Mass an Mut, da ein offensichtliches Macht-Gefälle zwischen den beiden Menschen besteht.

Die Sorge, durch offene Worte in Ungnade zu fallen, ist hoch.

Die Risikoabwägung für Mitarbeitende ist klar: Das Potenzial, durch Feedback etwas zu gewinnen, steht oft in keinem Verhältnis zum möglichen Verlust an Reputation oder Karrierechancen.

Dennoch ist es möglich, Feedback an Vorgesetzte konstruktiv zu gestalten – vorausgesetzt, man beachtet bewährte Prinzipien.

Im aktuellen Newsletter findest du sechs praxiserprobte Tipps, um dieses sensible Gespräch wirkungsvoll zu führen.

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Feedback ist ein essenzieller Treiber für Entwicklung – sowohl auf individueller als auch auf organisationaler Ebene. Doch während die Feedbackkultur in vielen Unternehmen etabliert ist, bleibt eine Frage häufig unausgesprochen: Haben auch Führungskräfte Anspruch auf ehrliches Feedback?

Die Antwort lautet eindeutig Ja.

In der Praxis zeigt sich jedoch, dass viele Vorgesetzte zwar positives Feedback begrüssen, kritische Rückmeldungen hingegen oft auf Widerstand stossen. Der Grund liegt auf der Hand: Grundsätzlich lässt sich niemand gerne kritisieren, weshalb es für manche Menschen bereits Mut erfordert, kritisches Feedback auf Augenhöhe, d. h. unter Ehepartnern, Freunden oder Arbeitskollegen zu geben. Einem Vorgesetzten kritisches Feedback zu geben, bedarf demgegenüber ein deutlich grösseres Mass an Mut, da ein offensichtliches Macht-Gefälle zwischen den beiden Menschen besteht.

Wohl jedem ist aus der Geschichte die Bestrafung des Übermittlers von schlechten oder unerwünschten Nachrichten, den sogenannten Hiobsbotschaften, bekannt. Der englische Ausspruch «Don't kill the messenger!» bringt dies wohl am besten zum Ausdruck. Früher kam es häufig vor, dass der Überbringer schlechter Nachrichten bestraft wurde – sogar mit dem Tod. Abgesehen von einigen wenigen Diktaturen sind drakonische Strafen heute passé, doch die Sorge, durch offene Worte in Ungnade zu fallen, bleibt aktuell. Die Risikoabwägung für Mitarbeitende ist klar: Das Potenzial, durch Feedback etwas zu gewinnen, steht oft in keinem Verhältnis zum möglichen Verlust an Reputation oder Karrierechancen.

Dennoch ist es möglich, Feedback an Vorgesetzte konstruktiv zu gestalten – vorausgesetzt, man beachtet bewährte Prinzipien. Im Folgenden findest du sechs praxiserprobte Tipps, um dieses sensible Gespräch wirkungsvoll zu führen.

 

6 bewährte Tipps für Feedback an Vorgesetzte

Da es für die meisten Menschen äusserst anspruchsvoll ist, ihrem Chef Feedback zu geben, ist es wichtig, die Situation behutsam und auf eine Art und Weise anzugehen, die der Beziehung gerecht wird.

 

1. Eine solide Vertrauensbasis schaffen

Damit ein wirksames Feedbackgespräch möglich ist, muss eine solide Vertrauensbasis zwischen Chef und Mitarbeitenden vorhanden sein. Diese entwickelt sich erfahrungsgemäss erst im Laufe der Zeit. Du erreichst dies, indem du ehrlich, transparent und verbindlich agierst. Fehlt derzeit eine ausreichende Vertrauensbasis, empfehle ich, auf das Feedback an deinen Vorgesetzten zu verzichten. Zudem gilt es, Loyalität zu beweisen – das gelingt vor allem dann, wenn auch unbequeme Wahrheiten angesprochen werden. Wenn jedoch der Vorgesetzte die Wahrheit darüber, was in seinem Team vorgeht, nicht hören will, wird er kaum bereit sein, Feedback anzunehmen. Ist er allerdings aufgeschlossen und weiss zu schätzen, dass er von seinen Mitarbeitenden eine offene und ehrliche Meinung erhält, ist die Chance gross, dass das für das Feedback wichtige Vertrauen entsteht.

 

2. Die Erlaubnis, Feedback geben zu dürfen

Ungefragt Feedback zu geben, kann ein Chef-Mitarbeitenden-Verhältnis sehr schnell beeinträchtigen. Deshalb empfehle ich, dass du um Erlaubnis bittest, Feedback geben zu dürfen. Zum Beispiel mit den Worten: «Ich habe ein paar Beobachtungen gemacht, die für Sie/Dich und das Team nützlich sein könnten. Ist es okay, wenn ich dazu ein Feedback gebe?» Dennoch ist an dieser Stelle Vorsicht geboten: Fast jeder Vorgesetzte wird «ja» sagen, ob er es ernst damit meint oder nicht, sei zunächst einmal dahingestellt. Beobachte deshalb seine Reaktion, um festzustellen, ob wirklich eine Erlaubnis für Feedback vorliegt. Dadurch versetz du deinen Chef in einen mentalen Zustand, in welchem er bereit ist, zuzuhören, was ein wichtiger erster Schritt ist.

 

3. Der passende Zeitpunkt

Insbesondere kritisches Feedback ist nichts, was zwischen Tür und Angel besprochen werden sollte. Ist die Chefin zum Beispiel gerade sehr in ein Projekt eingebunden oder mit anderen Dingen beschäftigt, heisst es: geduldig sein. Am besten sollte das Gespräch angekündigt werden, in etwa so: «Ich würde mich gerne mit Ihnen/Dir unterhalten, wenn es zeitlich passt. Es ist nichts Dringendes, aber es könnte für das Team sehr wertvoll sein.» Ist dann ein Termin gefunden, vergewissere dich, dass er auch wirklich passt. Wenn schon beim Eintreten ins Chefinnenbüro klar wird, dass diese gestresst, abgelenkt oder ungeduldig ist, ist es sinnvoll, den Termin auf einen anderen Zeitpunkt zu verschieben.

 

4. Subtil aber ehrlich

Wer mit der Tür ins Haus fällt und direkt mit seiner Meinung herausplatzt, was der Vorgesetzte falsch macht, kann sich sicher sein, dass das Feedbackgespräch vorbei ist, bevor es richtig begonnen hat. Klüger ist es, immer wieder gut durchdachte Fragen zu stellen und auf Formulierungen wie «als die Entscheidung verkündet wurde, haben die Leute sehr schlecht darauf reagiert. Es scheint eine schlechte Entscheidung zu sein, und das Team denkt, dass sie kontraproduktiv ist. Sie sind alle unglücklich darüber.» zu verzichten. Durch ein subtiles Vorgehen steigen deine Chancen, gehört zu werden, um ein Vielfaches. Besser ist also: «Ich habe die Reaktionen einiger Mitglieder im Team auf die Entscheidung beobachtet. Ich bin mir sicher, dass dies schon besprochen wurde, aber es wäre vielleicht sinnvoll, noch einmal nachzufragen, ob es Einwände gibt, die für das Ergebnis wichtig sind.»

 

5. Beobachtungen statt Anweisungen

Den eigenen Chef coachen mag im ersten Moment seltsam klingen, doch die Meinung des Vorgesetzten zu erfragen, ist viel wirkungsvoller, als ihn nur zu kritisieren. Besonders effektiv ist, wenn du von eigenen Beobachtungen berichtest, ganz im Sinne von: «Ich habe in der letzten Teamsitzung eine Beobachtung gemacht, die nützlich sein könnte. Als Sie Ihre Meinung als Erster äusserten, haben viele im Team einfach dicht gemacht und sich zurückgezogen. Ich frage mich, ob es einen besseren Weg gibt, das Team dazu zu bringen, mehr beizutragen?»

 

6. Möglichst spezifisch sein

Was für Anforderungen an ein gutes Feedback für Mitarbeitende gilt, ist auch für das Feedback an den Chef relevant – und zwar, ganz konkrete, greifbare Beispiele zur Hand zu haben. Diese sollten nicht einer Flut von Negativität gleichen. Es reichen ein oder zwei Beispiele, um die Beobachtungen hervorzuheben. Vorsicht ist auch dann geboten, wenn es zu einer Diskussion über die Beispiele kommt. Schnell aus dem Weg geräumt ist das zum Beispiel mit der Aussage: «Ich glaube nicht, dass es viel bringt, über die Beispiele zu streiten. Ich habe sie herangezogen, um meinen Standpunkt zu verdeutlichen und um mehr Klarheit zu schaffen.»

Last but not least: Auch Führungskräfte haben Vorgesetzte. Als Leader wiederum hast du zusätzlich eine Vorbildfunktion und solltest deshalb in der Lage sein, deinem Vorgesetzten ein offenes und – falls erforderlich – auch kritisches Feedback zu geben. Das erfordert Mut – eine der 12 entscheidenden Leadership-Kompetenzen.

 

Weitere Impulse zu Feedbackgesprächen und Leadership-Themen findest du in meinem Buch: «Das Phönix-Prinzip».