Authentizität – die Kunst zu sein, wie wir sind
Authentizität – die Kunst zu sein, wie wir sind
«Du bist aber authentisch!» Hast du dieses Kompliment schon einmal gehört?
Es scheint, als sei Authentizität selten geworden. Das verwundert mich nicht, sehe ich doch jeden Tag perfekt inszenierte und auf Hochglanz polierte Online-Profile.
Wir alle kennen die Influencer, die uns aus makellosen Kulissen heraus Tipps geben, oder die Coaches, die von ihren Strandvillen aus Weisheiten teilen.
Haben wir dadurch verlernt, wir selbst zu sein und zu uns zu stehen?
Der Wunsch nach dem Authentischen ist allgegenwärtig – Mitarbeitende wünschen sich Führungskräfte, die authentisch auftreten und agieren. Stell dir diesbezüglich einmal folgende Fragen:
🤔 Spreche ich offen über meine Fehler?
🗣️ Bespreche ich Entscheidungen gemeinsam mit meinem Team?
💬 Gebe ich meinen Mitarbeitenden sowohl positives wie auch kritisches Feedback?
Wie authentisch würdest du deinen Führungsstil bewerten? Teile deine Gedanken gern in den Kommentaren!
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Social Media ist voll davon, zahlreiche Bücher predigen es und mindestens eine Person aus unserem Umfeld proklamiert: Authentizität ist der Weg zum wahren Ich. Und doch lieben wir Menschen moderne Märchen, die uns Geschichten besser «verkaufen» als sie in Wirklichkeit sind. Wir sehen den weltweit erfolgreichen Coach, der uns Tipps aus seiner Strandvilla gibt und in den atemberaubendsten Locations auftritt. Wir sehen die Influencerin, die immer perfekt aussieht und uns Tipps gibt, wie wir unseren Alltag bestmöglich organisieren und welche Produkte wir dafür brauchen. Denkst du, dass diese Menschen wirklich authentisch sind? Das Bild, das nach aussen gezeigt wird, entspricht häufig nur einer Fassade, die mal wer mal weniger lange hält.
Dabei gehört Authentizität zu einer der Fähigkeiten, die wir an anderen besonders schätzen. So zeigen viele Studien und Umfragen, dass Mitarbeitende sich von ihren Führungskräften vor allem Authentizität wünschen. Grundsätzlich trägt jeder von uns diese Fähigkeit in sich und doch fällt es schwer, diese im Alltag umzusetzen.
Es beginnt schon bei der Definition: Oftmals wird Authentizität mit Echtheit übersetzt. Wenn etwas authentisch ist, dann gilt es laut Definition als «auf seine Echtheit geprüft». Bei Dokumenten mag das kein Problem sein, Menschen lassen sich allerdings nur schwer prüfen, deshalb ist es sinnvoll, den Begriff noch einmal aus der etymologischen Sichtweise zu betrachten. Authentizität leitet sich von dem griechischen Wort authentikós ab, was zusammengesetzt wird aus «autos» (selbst) und «ontos» (sein). Authentisch sein heisst übersetzt also so viel wie «man selbst sein».
Authentisch zu sein ist schwerer denn je
Als Synonyme für Authentizität werden Glaubwürdigkeit, Wahrhaftigkeit, Zuverlässigkeit und Unverfälschtheit gebraucht. Authentische Menschen wirken also wahrhaftig, ungekünstelt, ehrlich, offen und entspannt. Sie strahlen aus, dass sie zu sich selbst – mit allen Stärken und Schwächen – stehen.
Der Wunsch nach dem Authentischen ist allgegenwärtig. Wir möchten von «echten» Menschen umgeben sein und auch selbst als authentisch gelten, doch das Internet und die sozialen Medien verführen uns täglich zum Gegenteil. Die Anonymität und die technischen Möglichkeiten erlauben es, das eigene Leben so attraktiv wie möglich darzustellen – aber leider selten, wie es wirklich ist.
Auf der einen Plattform wird der aufregende oder gesunde Lifestyle in Szene gesetzt. Der Smoothie am Morgen in der perfekt sauberen Wohnung mit den drei wohlerzogenen Kindern, die brav aufgereiht auf der Designercouch sitzen, wird als normaler Alltag verkauft. Weniger später folgt ein Post auf einer anderen Plattform, der den seriösen Geschäftsmann zeigt, der mal wieder einen Megadeal abschliesst.
Die Optimierung des eigenen Selbst und die passende Fassade dazu sind nicht selten sogar perfekter als das Original. Weicht etwas davon ab, ist der Shitstorm vorprogrammiert und nicht selten bezahlen die Menschen sogar mit ihrer Karriere. Ein «falsches» Wort, eine andere Meinung oder einfach nur das Fehlen von Informationen und schon ist das Image dahin.
Was also ist überhaupt noch echt? Ich gehe sogar so weit zu behaupten, dass wahre Authentizität gegenwärtig auf einem historischen Tiefpunkt ist. Sind wir mittlerweile schon gefangen in dem Konstrukt der «heilen» Welt, dass Authentizität gar nicht mehr möglich ist?
Bist du als Führungskraft authentisch?
Wer versucht Rollen zu spielen und Klischees zu bedienen, mag sich zwar an der ein oder anderen Stelle beliebt machen, ist aber häufig auch opportun und unecht. Viele stellen ihre eigene Individualität jedoch aufgrund der Konformität zurück. Der Grund hierfür beginnt schon im Kindesalter. Wer aus der Reihe tanzt, wird bestraft und wer unkonventionell denkt oder handelt, dem wird gesagt, dass er es nicht weit bringt. Im Jugendalter wird es meist noch schlimmer. Wer nicht der Masse entspricht, einen bestimmten «Look» hat oder gewisse Marken trägt, wird schnell zum Aussenseiter, der belächelt wird.
Die Authentizität, die wir alle von klein auf mitbringen, ist nicht bei jedem gern gesehen, denn sie bedeutet, sich selbst gegenüber wahrhaftig zu sein – auch wenn es nicht jedem gefällt.
Warum aber ist diese Eigenschaft gerade aus der Perspektive einer Führungskraft so wichtig? Die Zeiten des Wandels, der Digitalisierung und die Führung von Knowledge-Workern und den Generationen Y und Z verlangen Führungskräften viel ab. Einfach Anweisungen an die Mitarbeitenden zu geben, wie es früher der Fall war, ist heute nicht mehr möglich. Vielmehr müssen Führungskräfte überzeugen, begeistern und eine Beziehung zu ihren Mitarbeitenden aufbauen, um von diesen Höchstleistungen zu bekommen. Das funktioniert aber nur dann, wenn du als Führungskraft authentisch auftrittst, indem du dich zeigst, wie du wirklich bist, mit deinen Stärken, aber insbesondere auch mit deinen Schwächen und Unzulänglichkeiten. Diese «verletzliche» Seite sorgt bei Führungskräften für Nahbarkeit und dafür, dass sich Mitarbeitende gern an sie wenden. Das wiederum ist die Grundlage dafür, Einfluss nehmen zu können.
Als Führungskraft kannst du dir diesbezüglich einmal folgende Fragen stellen:
Spreche ich offen über meine Fehler, Misserfolge und über Dinge, die ich falsch eingeschätzt habe?
Bespreche ich Entscheidungen gemeinsam mit meinem Team?
Gebe ich meinen Mitarbeitenden sowohl positives wie auch kritisches Feedback?
Lebe ich nach dem Grundsatz «ich sage, was ich tue, und ich tue, was ich sage»?
Halte ich meine Versprechen, zum Beispiel als Führungskraft nie etwas hinter dem Rücken meiner Mitarbeitenden über diese zu sagen, was ich diesen nicht auch direkt ins Gesicht sagen würden? (Das gilt sowohl für Kritik als auch Lob und Wertschätzung).
Den eigenen Führungsstil entwickeln
Jede Führungskraft – ob Teamleiter oder C-Level – sollte an ihrer Authentizität arbeiten. Es wäre fatal davon auszugehen, dass es leicht ist, authentisch zu führen – im Gegenteil, es erfordert viel Arbeit, seinen eigenen, authentischen Führungsstil zu erreichen.
Authentische Führung ist immer eine Reflexion deines persönlichen Verhaltens, geprägt von deinen Wertvorstellungen, Einstellungen, Überzeugungen und Gewohnheiten. Bist du bereit, sich diesen zu stellen und die Auswirkungen deines Verhaltens auf andere zu erkennen und darauf zu reagieren? Dann schreib mir gern eine Nachricht.



