Arbeiten, um der Arbeit willen oder um Wertschöpfung zu schaffen?
Arbeiten, um der Arbeit willen oder um Wertschöpfung zu schaffen?
Nach einer kurzen Pause melde ich mich zurück mit einem Thema, das für alle Führungskräfte im neuen Jahr auf der Agenda stehen sollte.
Pünktlich am Arbeitsplatz erscheinen, zugeteilte Aufgaben erledigen, strukturiert arbeiten – so sieht der Alltag vieler Mitarbeitender aus. Doch sind sie dabei wirklich effizient und schaffen einen Mehrwert?
Zu den essenziellen Aufgaben einer Führungskraft gehört es, sicherzustellen, dass der unternehmerische Nutzen bzw. Mehrwert einer Aktivität im Mittelpunkt steht.
Andernfalls wird die Aktivität erfahrungsgemäss um ihrer selbst willen dominieren. Als Führungskraft musst du also dafür sorgen, dass die Mitarbeitenden den Zusammenhang zwischen ihren Aktivitäten bzw. ihrer Arbeit und der Wertschöpfung für das Unternehmen erkennen.
Hand aufs Herz, wie gut gelingt es dir, deine Mitarbeitenden auf die wertschöpfenden Aktivitäten zu fokussieren?
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Die Einhaltung zeitlicher Verpflichtungen und das pünktliche Erscheinen am Arbeitsplatz, ob physisch im Betrieb oder virtuell im Homeoffice, sind gängige Normen im Berufsleben. Mitarbeitende beginnen ihren Arbeitstag oft mit einer klaren Struktur und einer effizienten Herangehensweise an die anstehenden Aufgaben.
Es gibt jedoch eine zusätzliche Herausforderung, die eine der schwierigsten Aufgaben von Führungskräften darstellt. Viele Mitarbeitende verspüren ihrem Arbeitgeber gegenüber eine psychologische Verpflichtung. Dieser liegt der Gedanke «ich bin hier angestellt, werde bezahlt und deshalb arbeite ich effizient» zugrunde. Das klingt so erst mal nicht verkehrt. Nur bedeutet effizientes Arbeiten nicht zwingend einen Mehrwert für die Organisation.
Peter Drucker sagte einst: «Die grösste Verschwendung von Unternehmensressourcen ist es, Dinge effizient zu tun, die gar nicht getan werden sollten.» Hier liegt der springende Punkt. Es geht darum, den Mehrwert und nicht das effiziente Abarbeiten von Aufgaben in den Mittelpunkt der Tätigkeit zu stellen. Führungskräfte tun sich oft schwer, die beflissene Haltung von Effizienz bei ihren Mitarbeitenden aufzubrechen.
Mehrwert im Mittelpunkt
Zu den essenziellen Aufgaben einer Führungskraft gehört es, sicherzustellen, dass der unternehmerische Nutzen bzw. Mehrwert einer Aktivität im Mittelpunkt steht. Andernfalls wird die Aktivität erfahrungsgemäss um ihrer selbst willen dominieren. Als Führungskraft musst du dafür sorgen, dass die Mitarbeitenden den Zusammenhang zwischen ihren Aktivitäten bzw. ihrer Arbeit und der Wertschöpfung für das Unternehmen erkennen.
Ein zentraler Aspekt besteht darin, gezielte Fragen zu stellen, die deine Mitarbeitenden dabei unterstützt, ihren Fokus auf wertschöpfende Aktivitäten zu richten. Hierbei spielt die Unternehmensstrategie eine entscheidende Rolle: Die darin definierten strategischen Ziele und Projekte schaffen die Basis, um Prioritäten klar zu setzen und wertschöpfende Tätigkeiten in den Mittelpunkt zu rücken.
Eigenschaften und Nutzen
Ein guter Weg, um darüber nachzudenken, wie man blosse Aktivitäten von wertschöpfenden bzw. nutzenstiftenden Aktivitäten unterscheidet, ist die aus Verkaufstrainings bekannte Idee der Unterscheidung von Produkteigenschaften und Nutzen. Ich illustrierte dies kurz anhand des Beispiels eines Kaffeelöffels.
Die Eigenschaften eines Kaffeelöffels sind:
- Er ist rund 15 cm lang.
- Er ist aus rostfreiem Stahl gefertigt.
- Er hat einen Griff, der sich zum eigentlichen Löffel hin verjüngt.
- Die Spitze des Löffels ist oval, seine Form konkav.
Wenn wir die Merkmale eines Löffels beschreiben, wissen wir noch lange nicht, weshalb der Löffel für uns wertvoll ist. Dies wird erst klar, wenn wir über den Nutzen des Kaffeelöffels sprechen. Einerseits ist er das perfekte Werkzeug, um ein 3-Minuten-Frühstücksei zu verzehren. Ein Frühstücksei ohne Löffel zu essen, ist ziemlich schwierig. Dies ist also ein klarer Nutzen. Ein weiterer ist, dass der Kaffeelöffel perfekt ist, um 5 Gramm Zucker in eine Tasse Kaffee zu geben. Auch kann der Kaffee mit dem Löffel, der die richtige Form und Länge hat, direkt umgerührt werden. Dieses Beispiel veranschaulicht uns den Unterschied zwischen den Merkmalen und dem Nutzen. Merkmale beschreiben, wie etwas ist, während es beim Nutzen darum geht, welche Vorteile daraus resultieren.
Warum arbeiten viele Menschen um der Arbeit willen?
Verschiedene Perspektiven und Präferenzen können Menschen dazu veranlassen, sich in Arbeiten zu verlieren, die keinen offensichtlichen Mehrwert schaffen. Hier sind einige solche Faktoren:
Die Wertschätzung repetitiver Tätigkeiten: Manche Menschen empfinden ein hohes Mass an Zufriedenheit in der Routine und Beständigkeit, die repetitive Tätigkeiten mit sich bringen. Diese kontinuierliche und vorhersehbare Arbeit vermittelt ihnen Sicherheit.
Das Bedürfnis, gebraucht zu werden: Einige ziehen Befriedigung daraus, sich unabkömmlich zu fühlen, auch wenn die von ihnen ausgeführten Aufgaben nicht unbedingt einen Mehrwert schaffen. Sie schätzen die Tatsache, dass sie stets beschäftigt sind und das Gefühl haben, eine wichtige Rolle zu spielen.
Die Freude an der Effizienz: Für manche liegt die Zufriedenheit darin, Aufgaben abzuhaken und Dinge erledigt zu bekommen. Sie fühlen sich produktiv und erfolgreich, wenn sie ihre To-do-Liste effizient abarbeiten, unabhängig davon, ob ihre Aufgaben einen Mehrwert bieten.
Arbeit als Mittel zum Zweck: Schliesslich gibt es auch diejenigen, die ihre Arbeit primär als Instrument zur Sicherung ihres Lebensunterhalts betrachten. Sie sind weniger daran interessiert, proaktiv zu sein oder auf den Nutzen ihrer Arbeit zu achten, und konzentrieren sich stattdessen darauf, ihre zugewiesenen Aufgaben zu erfüllen.
Das Kriterium für die Zuweisung von Ressourcen zu einer Aktivität sollte der Wert sein, den diese Aktivität schafft.
Der Fokus jeder Aktivität sollte stets auf dem geschaffenen Wert liegen, nicht auf der blossen Menge oder dem Umfang der Aufgaben. Alles, was keinen direkten Mehrwert erzeugt, darf lediglich ein Nebenprodukt sein und sollte niemals den Hauptantrieb darstellen. Als Führungskraft ist es deine Verantwortung, den Mehrwert jeder Tätigkeit im Blick zu behalten und sicherzustellen, dass jede Aufgabe einen klaren Beitrag zum Erfolg des Unternehmens leistet.
Nehmen wir hierzu etwa einen Mitarbeitenden, der Freude an Zahlen hat und gerne Auswertungen sowie Statistiken erstellt. Er investiert viel Zeit und Energie in diese Arbeit, doch am Ende wird sie von niemandem gelesen, geschweige denn etwas daraus abgeleitet, das dem Unternehmen einen Mehrwert bringt. Solche Tätigkeiten sind ein klassisches Beispiel für Arbeit, die um ihrer selbst willen geleistet wird, ohne echten Nutzen zu schaffen. Hier ist es deine Aufgabe, den Zweck solcher Aktivitäten kritisch zu hinterfragen, sie neu auszurichten oder, falls nötig, einzustellen.
Dies erfordert, dass du deinen Mitarbeitenden vermittelst, wie ihre Arbeit konkret zum übergeordneten Ziel beiträgt. Eine zentrale Aufgabe als Führungskraft ist es, den Zusammenhang zwischen der Arbeit des Teams und dem unternehmerischen Nutzen deutlich zu machen. Im Kapitel «Effektive Führung durch Transparenz: Den Wert der Arbeit für jeden sichtbar machen?» aus meinem Buch «Die Heldenreise einer Führungskraft – wie du als Leaderin die beste Version deiner selbst wirst» erkläre ich, wie du diese Verbindung klar und wirksam herstellen kannst.



