Du stehst an der Spitze eines Unternehmens. Du trägst Verantwortung für Hunderte, vielleicht Tausende Mitarbeitende und für Milliardenumsätze. Triffst Entscheidungen von enormer Tragweite. Und trotzdem: Immer wieder fragst du dich insgeheim, wann jemand merkt, dass du eigentlich keine Ahnung hast.
Willkommen im Club.
Das Impostor-Syndrom trifft nicht nur junge Talente oder Quereinsteiger:innen. Es trifft auch CXOs, Geschäftsleitungsmitglieder, Divisions- und Abteilungsleiter. Und manchmal gerade sie.
Erfolg schützt nicht vor Selbstzweifel – im Gegenteil. Denn je sichtbarer du wirst, desto lauter wird die innere Stimme: Bin ich wirklich gut? Oder nur gut im Überzeugen?
Umfragen zeigen: Über 70 Prozent der CEOs weltweit kennen genau dieses Gefühl. Sie sind fähig, zweifeln aber gleichzeitig an ihrer eigenen Legitimation.
Ein CEO eines grossen Schweizer Technologieunternehmens erzählte mir einmal, wie er nachts schlaflos im Bett lag, während er tagsüber die Rolle des Unantastbaren spielte. Jede strategische Entscheidung, jede Budgetfreigabe, sogar kleine Personalfragen – überall spürte er den Druck, immer die perfekte Antwort liefern zu müssen. Gleichzeitig hörte er die innere Stimme: «Was, wenn ich falsch liege? Was, wenn ich die Firma an die Wand fahre?»
Warum fühlen sich so viele Leader wie Hochstapler?
- Weil sie oft die ersten in ihrer Familie sind, die so weit gekommen sind.
- Weil sie im Unternehmen keine echten Sparringspartner haben.
- Weil sie sich zwischen politischer Loyalität, sachlicher Richtigkeit und persönlicher Wirkung zerreiben.
- Weil sie ihre Führungsrolle nicht ausrollen – sondern permanent rechtfertigen müssen.
Und: Weil kaum jemand offen darüber spricht.
Der Gender-Aspekt: differenzierter als gedacht
Frauen thematisieren Selbstzweifel häufiger – aber das bedeutet nicht, dass Männer sie weniger haben. Viele Männer kompensieren sie nur anders: durch Überkontrolle, Abgrenzung, Machtdemonstration.
Das Impostor-Gefühl ist nicht weiblich oder männlich. Es ist menschlich – und einsam.
Was du dagegen tun kannst
Nicht Selbstoptimierung. Sondern Selbstreflexion.
Nicht härter werden. Sondern klarer.
Was hilft:
- Ein offenes, vertrauliches Leadership-Sparring
- Ein Umfeld, das psychologische Sicherheit bietet
- Feedback, das ehrlich ist – und wohlwollend
- Der Mut, auch als «Führungskraft» Mensch zu bleiben
Fazit: Zweifel sind kein Zeichen von Schwäche, sondern von Bewusstsein.
Wer nie zweifelt, hat nichts verstanden.
Wer nur zweifelt, verliert sich.
Aber wer seine Zweifel reflektiert, führt klarer, empathischer, menschlicher.
Und genau das ist heute gefragt.
👉 Wenn du dich im Text wiedererkennst – oder jemanden kennst, der gerade auf dieser Schwelle steht – dann lass uns sprechen.
Leadership beginnt nicht mit Antworten. Sondern mit den richtigen Fragen.
Ich begleite Führungspersönlichkeiten genau an diesem Punkt.
Eine ausführlichere Version dieses Textes – sowie weitere Impulse zum Thema Selbstbild und Führung – findest du auf meiner Website.